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Italien/Frankreich 1996, 103 Minuten · FSK: ab 12 |
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Zugleich ist der Film weitaus mehr, als nur eine posthume Hommage an einen ganz Großen des Films. Es handelt sich auch um eine überraschende Anknüpfung an ältere Traditionen eines sehr europäischen, epischen Erzählkinos, das unterhält und zugleich eine durchdachte Auseinandersetzung mit Kultur und Geschichte unseres Kontinents darstellt. Schon oft, etwa bei Luchino Visconti und Bernardo Bertolucci, kamen solche Geschichten aus Italien.
Lissabon 1938, in der Anfangsphase der rechten Salazar-Diktatur und während der Hochzeit des europäischen Faschismus: Der verwitwete, bequem gewordene Kulturredakteur Pereira (Mastroianni) wird durch das Engagement eines jungen Autors (Joacquim de Almeida) und durch Gespräche mit seinem Arzt Dr. Cardoso (ebenfalls hervorragend: Daniel Auteuil) aus seiner Gleichgültigkeit gerissen.
Der bisher wenig aufgefallene Italiener Roberto Faenza verfilmte hier den gleichnamigen Roman von Antonio Tabucchi. In vielen Gesprächen, Nebenhandlungen und kurzen Momenten zeigt diese Geschichte ganz gewöhnlicher Menschen zwischen konkreter Humanität und angstvollem Heraushalten das Gesicht des Faschismus in direkten, authentischen Alltagserfahrungen. Gegen seinen Willen lernt Pereira, daß er sich verändern und aus seiner Passivität befreien muß. Die Begegnung mit einer Jüdin auf der Flucht (Marthe Keller) wird für ihn endgültig zum Wendepunkt.
Erklärt Pereira ist eine berührend inszenierte Auseinandersetzung mit einem historischen Ereignis, die zugleich zeigt, daß jede Vergangenheit hochaktuellen politischen und moralischen Sprengstoff birgt. Mit dogmatischem »Schlußstrich« lassen sich die Fragen, die hier verhandelt werden, nicht erledigen.
Das eigentliche Erlebnis des Films bleibt dennoch die Wiederbegegnung mit Mastroianni, dem sein Regisseur hier einige wundervolle Auftritte gönnt. Er spielt diese alte, dick und bequem gewordene Figur, die sich lange Zeit fragwürdig verhält, und letztlich doch moralische Verantwortung übernimmt, mit Hingabe. Ob in intensiven Momenten, wie den Zwiegesprächen mit der verstorbenen Frau, oder ganz beiläufig, beim Trinken einer Limonade, überall erhält dieser Pereira durch Mastroiannis Spiel Charme und große Würde.
Und am Ende, in einer letzten langen Einstellung, zur Musik des anderen großen Filmitalieners Ennio Morricone, verschwindet dieser Durchschnittsmensch wieder in der Menge, aus der er gekommen ist. Ein bewegender, angemessener Abschluß.