Les égarés

Ein schöner Früh­som­mertag im Juni 1940. Eine Karawane von Autos, Lastwagen und Pfer­de­kut­schen zieht durch die ländliche Land­schaft, beladen mit Frauen, Kindern, Hab und Gut. Paris steht vor der Kapi­tu­la­tion, der Exodus aus der Haupt­stadt hat begonnen. Das Blau des wolken­losen Himmels erweist sich als trüge­risch: Messer­sch­mitts fallen wie wütende Hornissen über die Flücht­linge her, Kinder sacken getroffen in sich zusammen, Menschen werden durch die Luft geschleu­dert. Auch Odil sucht mit ihren Kindern Cathy und Philippe Schutz in der dürftigen Deckung der Straßen­bö­schung. Aus dem Nichts taucht Yvan auf, ein verschlos­sener 17-Jähriger mit kurz­ge­scho­renen Haaren. Mit seiner Hilfe entkommen Odil und die Kinder dem Gemetzel. Sie flüchten sich in ein einsam gelegenes, verlas­senes Haus, eine fried­liche Bastion, die außerhalb der Zeit zu exis­tieren scheint.

Krieg ist ein Ausnah­me­zu­stand, der die Regeln des Zusam­men­le­bens außer Kraft setzt. Wenn das größte Tabu, das Töten der eigenen Art, zum legitimen Akt wird, fallen schnell auch andere mora­li­sche Grenzen. Für den 13-jährigen Philippe wird der Außen­seiter Yvan zum bewun­derten Helden, auch wenn er bei seinen Streif­zügen nicht nur Lebens­mittel orga­ni­siert, sondern auch die Toten ausplün­dert. Yvans verzwei­felte Skru­pel­lo­sig­keit, die ihn in Frie­dens­zeiten zum gesuchten Klein­gauner gemacht hat, wird nun mitten im Krieg zur wert­vollen Gabe.

Philippe und Cathy finden sich der neuen Situation schnell zurecht: Das Mädchen adoptiert anstelle ihrer zurück­ge­las­senen Katze einen Frosch als Schmu­se­tier oder vergnügt sich, indem sie »toter Flücht­ling« spielt. Der sonst so sensible Philippe sperrt seine kleine Schwester kurzer­hand in einen Kanin­chen­stall, wenn sie ihm auf die Nerven geht. Anfangs wehrt sich Odil noch gegen den Zusam­men­bruch ihres bürger­li­chen Werte­ka­nons. Doch der Krieg bewirkt nicht nur eine Verrohung der Sitten, auch Klassen- und Alters­schranken werden neben­säch­lich. Eine zarte Liebe­ge­schichte zwischen dem streu­nenden Analpha­beten und der verwit­weten Lehrerin beginnt.

Das Glück ist nicht von Dauer: Obwohl Yvan gleich zu Beginn heimlich das Telefon gekappt hat und das Radio im Keller verschließt, lässt sich die Wirk­lich­keit nicht aussperren. Eines Tages tauchen zwei fran­zö­si­sche Soldaten das abge­le­gene Anwesen. Der Anfang vom Ende für Odil und Ivan...

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