Dogtooth

Kynodontas

Griechenland 2009 · 94 min. · FSK: -
Regie: Giorgos Lanthimos
Drehbuch:
Kamera: Thimios Mpakatakis
Darsteller: Anna Kalaintzidou, Aggeliki Papoulia, Christos Passalis, Christos Stergioglou u.a.
Von der Welt noch ganz unberührt

27. Filmfest München 2009

Wenn der Eckzahn rausfällt...

Mit vers­tö­renden, provo­ka­tiven Humor zeigt Lanthimos in seinem Film Kynodontas das Leben einer grie­chi­schen Familie, die zusammen mit ihren drei ausge­wach­senen Kindern in einer Villa hinter einem hohen Zaun im Vorort lebt. Die fürsorg­li­chen reichen Eltern wollen das Beste für ihre Spröss­linge, daher lassen sie sie nicht über die Grenze ihres Grund­s­tücks rausgehen. Das Leben funk­tio­niert beinah einwand­frei nach den von den Eltern aufge­stellten Regeln. Unter anderem sind es neue Sprach­re­geln nach denen die Begriffe ihre gewöhnte Gültig­keit verlieren und neu definiert oder die Sachen umbenannt werden: zum Beispiel »Autobahn« oder »Lampe« oder »Ohr« bedeuten nach diesen Regeln ganz was anderes als man denken würde. Ebenfalls gilt folgende Regel: erst wenn bei dem Kind der linke oder rechte Schnei­de­zahn rausfällt, kann es das elter­liche Haus verlassen.

In ihrer Langweile über­lassen sich die Kinder den Spielen, die einer­seits von kind­li­cher Naivität, ander­seits von Perver­sität und Grenz­er­fah­rungen geprägt sind. Das ganze Geschehen findet in einem namen­losen Nichtort statt. Wie die Kinder oder die Eltern heißen, bleibt ebenfalls unbekannt. Nur ein Name taucht auf, der Name einer Person die als Einzige den Zugang in diese geschlos­sene Welt hat, Katarina...

Der Film hat eine vers­tö­rende Wirkung mit dieser abge­schlos­senen Welt, die er zeigt. Die Schau­spie­le­rinen, die durch und durch emoti­onslos spielen, tragen hervor­ra­gend zu dieser Unbe­hag­lich­keit bei, da sie keinerlei Gefühls­re­gungen verraten – der Zuschauer weiß nicht, ob die Prot­ago­nisten das Ganze ernst nehmen oder ebenfalls als perverses Spiel betrachten.

Die Tonlage des Films ist dabei von einem tief­schwarzen, bisweilen auch etwas puber­tären Humor geprägt, wodurch der Film trotzdem an seiner Ernst­haf­tig­keit und Viel­schich­tig­keit nicht einbüßt: er zeigt über die meiste Zeit ein sehr feines Spiel mit Sprache, Perfor­man­ce­ele­menten, Ästhetik des Bösen, Abgründe der Sexua­lität und des Mensch­li­chen.

Yorgos Lanthimos, in Grie­chen­land vor allem bekannt für Video­auf­nahmen von Tanz­per­for­mances und Werbe­spots, hatte offen­sicht­lich einen erfolg­rei­chen Auftritt auf dem Münchner Filmfest. Den Ruhm hat ihm bereits ein Preis in Cannes einge­bracht, wo er dieses Jahr in der Reihen »Un Certain Regard« lief. Eine wohl­ver­diente Aufmerk­sam­keit!

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