Disturbia

USA 2007 · 104 min. · FSK: ab 16
Regie: D.J. Caruso
Drehbuch: ,
Kamera: Rogier Stoffers
Darsteller: Shia LaBeouf, Sarah Roemer, Carrie-Anne Moss, David Morse, Aaron Yoo u.a.
Lektion im Fürchten

Blick aus dem Fenster

Schönes neues Leben der (US-)Gegenwart: Ein durchaus sympa­thi­scher und wohl­er­zo­gener Schüler hat einen häss­li­chen Streit mit seinem Lehrer – die Strafe ist völlig unver­hält­nis­mäßig: 90 Tage Haus­ar­rest, der per elek­tro­ni­scher Fußfessel und Nonstop-Satel­li­tenüber­wa­chung kontrol­liert wird. Und wenn Kale (Shia LaBeouf) im elter­li­chen Karten auch nur an der falschen Stelle über ein Beet tappt, kommt gleich ein Schrank von einem Cop, wirft ihn zu Boden und legt ihm Hand­schellen an – offenbar hat die Polizei in den USA nichts Besseres zu tun

Dies ist zwar nur ein Neben­as­pekt von Disturbia, doch entpuppt der sich doch in gewissem Sinn als zentral. Disturbia ist überaus inter­es­sant: Ein span­nender Thriller, der mit der Film­ge­schichte spielt, gut unterhält, und nebenbei an seinen Rändern auch eine Menge Allge­meines über die Gegenwart zu erzählen hat.

Im Mittel­punkt steht jener Kale (Shia LaBeouf). Durch die Fußfessel ist er ähnlich ans Heim und einen höchst begrenzten Akti­ons­ra­dius gefesselt, wie einst James Stewart mit Gipsbein im Rollstuhl in dem berühmten Hitchock-Thriller Rear WindowFenster zum Hof«). Wie Stewart bleibt ihm gegen die Lange­weile nicht mehr, als der voyeu­ris­ti­sche Blick in die Wohnungen der Nachbarn – denn seine allein­er­zie­hende Mutter hat auch Fernseher Video­spiele und iPod außer Reich­weite gebracht.

Der Blick in fremde Privat­sphären fördert zunächst – neben allerlei kleinen schmut­zigen Geheim­nissen – ein hübsches Nach­bar­mäd­chen zutage, dass von Kales Interesse eher geschmei­chelt, denn scho­ckiert ist, und ihm bald daheim Gesell­schaft leistet. Doch schnell konzen­triert sich beider Aufmerk­sam­keit auf den einsamen Nachbarn und seine merk­wür­digen nächt­li­chen Akti­vitäten. Die Verdachts­mo­mente häufen sich, und bald ist es offen­sicht­lich: Nebenan haust ein Nach­folger Hannibal Lecters. Der merkt auch bald, dass der Nach­bars­junge ihm hinter­spio­niert, und hat es nun wiederum auf diesen abgesehen – wie gesagt: Disturbia ist ein »Fenster zum Hof« für die Schü­l­er­ge­ne­ra­tion der Gegenwart.

So unter der Hand erzählt der solide insze­nierte Film auch einiges über die USA: Über rigide Straf­maß­nahmen, und dass sie letztlich bei aller Härte zu etwas gut sind: Denn Kale bringt ja nicht nur einen Seri­en­mörder zur Strecke, er lernt sich auch anständig zu benehmen, und bekommt eine Lektion über den Zusam­men­hang von Lust und Gefahr: Der neugierig-lüsterne Blick auf fremd­ge­hende Nachbarn und Kinder, die heimlich Pornos im Fernsehen gucken wird bestraft mit dem Blick auf den mörde­ri­schen Nachbarn, die Gefahr der Jagd auf ihn dann aber belohnt mit der doppelten Trophäe der Aner­ken­nung durch die Erwach­se­nen­welt und einer netten hübschen Freundin. Und wenn sie nicht gestorben sind...

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