Mut zur Wahrheit

Courage Under Fire

USA 1996 · 117 Minuten · FSK: ab 12
Regie: Edward Zwick
Drehbuch:
Kamera: Roger Deakins
Darsteller: Denzel Washington, Meg Ryan, Scott Glenn u.a.

Es gibt in Hollywood eindeutig Regis­seure die ameri­ka­ni­scher sind als der Rest. Neben den offen­sicht­lich rechts­las­tigen Haud­rau­fund­schluß­fil­mern wie John Milius auch einige die unter dem Deck­mantel der harmlosen Komödie oder des senti­men­talen Fami­li­en­dramas operieren um grundame­ri­ka­ni­sche Werte ans Volk zu bringen (siehe Forrest Gump). Edward Zwick hat schon mit seinem hohl-patrio­ti­schen Bürger­kriegs­dünn­pfiff Glory und mit Legenden der Leiden­schaft gezeigt daß er dieser letzteren Sorte zuzu­rechnen ist. Und weils ja bekannt­lich nix ameri­ka­ni­scheres als Militär­dramen gibt, spielt sein neues Werk jetzt zur Zeit des Golf­kriegs (des Ersten).

Lt. Nathaniel Serling (Denzel Washington), Panzer­kom­man­deur in der Golf­re­gion beschießt während einer nächt­li­chen Attacke verse­hent­lich einen seiner eigenen Panzer. Nicht nur daß er mit dieser Schuld leben muß und darüber zunehmend zum Alko­ho­liker wird, er wird auch noch von seinen Vorge­setzten auf einen Schreib­tisch­posten versetzt. Dort soll er als erste Aufgabe die »Medal of Honour« an die tapfere Heli­ko­pter­pi­lotin Karen Walden (Meg Ryan) verleihen; leider posthum, da Karen während einer toll­kühnen Rettungs­ak­tion ums Leben kam. Schnell merkt Serling daß sich die Aussagen von Karens Team­mit­glie­dern wieder­spre­chen. Irgend­etwas das am Tag ihres Todes geschah soll offen­sicht­lich im Verbor­genen bleiben. Was, das enthüllt sich dem Zuschauer erst nach mehreren Rück­blenden die von den verschie­denen Zeugen erzählt, jeweils subjektiv wieder­ge­geben werden.

Routi­niert (wenn auch mit einigen Längen) erzählt Zwick seine Geschichte, unter­s­tützt von einem wieder einmal großartig spie­lenden Denzel Washington und einer radikal gegen ihren Typ besetzten Meg Ryan. Die Rolle der schnar­renden »Desert Storm«-Lenie Riefen­stahl hält sie mit bemer­kens­werter Konse­quenz durch, unter­bro­chen durch wenige Einschübe in denen sie junges Mutter­glück in die Kamera triefen lassen darf. Bedenk­lich stimmt jedoch wie beden­kenlos Zwick mit dem Neben­schau­platz Golfkrieg umgeht. Laut eigenen Worten war es seine Absicht das wahre, mensch­liche Gesicht des Medien­spek­ta­kels Golfkrieg zu zeigen. Dieses Gesicht scheint jedoch ein rein ameri­ka­ni­sches zu sein. Die iraki­schen Soldaten werden da gern mal als »fuckers« bezeichnet und Serling wird am Schluß reha­bi­li­tiert weil er trotz seines kleinen Lapsus' weiter militä­risch mitge­dacht und dazu beige­tragen hat ein paar »fuckers« mehr über den Jordan zu schicken. Die guten Soldaten (respek­tive Solda­tInnen) erhalten ihre verdiente Belohnung, die bösen Soldaten ihre verdiente Srafe, und Zwicks Film spielt wohl nicht zuletzt deshalb während des Golf­kriegs,weil man diesen ja im Gegensatz zu Vietnam gewonnen hat. Da Courage Under Fire auch durch die derzeit erneut prekäre Lage am Golf jedoch weder an Aktua­lität noch an Bedeutung gewinnt, dürfte sowieso in Frage stehen ob dieser Film hier­zu­lande außerhalb der Ziel­gruppe Berufs­sol­daten & Vete­ra­nen­ver­eine sein Publikum finden wird.

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