A Bigger Splash

Italien/Frankreich 2015 · 125 min. · FSK: ab 12
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch:
Kamera: Yorick Le Saux
Darsteller: Ralph Fiennes, Dakota Johnson, Matthias Schoenaerts, Tilda Swinton, Aurore Clément u.a.
Immer wieder verführerisch: Schwimmbad-Nixen

Wahlverwandtschaften am Swimming Pool

Dass der Titel einen Super­lativ beinhaltet, sugge­riert, dass hier viel­leicht die altbe­kannten vier Haupt­cha­rak­tere mit einer größeren Fontäne ins Wasser springen, als im Original Swimming Pool aus dem Jahr 1969 von Jacques Deray. Damals tauchte bei Marianne (Romy Schneider) und Jean-Paul (Alain Delon) am Pool ein alter Freund auf, Harry (Maurice Ronet), zusammen mit seiner angeb­li­chen Tochter Penelope (Jane Birkin). 2016 sind es Ralph Fiennes (Harry) und Dakota Johnson (Penelope), die das sommer­liche Vor-sich-Hintrocknen von Tilda Swinton (Marianne) und Matthias Scho­ena­erts (Paul) stören. Jetzt ist es statt des fran­zö­si­schen Saint-Tropez die kleine italie­ni­sche Insel Pantel­leria, die den beiden als Rück­zugsort dient. Nützt aber nichts, sie werden trotzdem gefunden. Es ist ohnehin eine nur schein­bare Idylle, denn die Insel liegt im Meer zwischen der Spitze des italie­ni­schen Stiefels und Tunesien.

Durch diesen Orts­wechsel versucht der italie­ni­sche Regisseur Luca Guada­gnino die Zeit­lo­sig­keit diffi­ziler Paar­be­zie­hungen in verschie­denen Paar-Konstel­la­tionen zu mehr Aktua­lität, oder nennen wir es: mehr Brisanz zu verhelfen. Will heißen: Sonnige Mittel­meer­insel mit ein bisschen Flücht­lings-Proble­matik. First-World-Probleme treffen auf wirklich exis­ten­ti­elle Fragen. Exal­tiertes Upper­class-Gehabe, Arroganz und Ignoranz auf die Probleme der Welt. Leider bleibt es bei einem leichten und sehr klischierten Ansatz, den er sich auch hätte sparen können.

Gril­lenzirpen, lastende Hitze, Schweiß auf den Hemden. Paul und Marianne beob­achten das Flugzeug, das in die Stille des lang­ge­streckten Nach­mit­tags hinein­fliegt. Der damit einge­flo­gene Harry macht sich mit seiner Tochter – von der niemand etwas wusste – im Haus und am Pool der beiden breit. Bisher war es dort ruhig, weil Paul ohnehin wenig spricht, als Roman­tiker und Doku­men­tar­filmer mit Suizid­ge­danken und Marianne nicht sprechen kann, weil der Rockstar nach einer Operation seine Stimme schonen soll. Es ist aber nicht nur Harrys Reden, das die Idylle zerstört, es sind auch die Gesten, wie man sich anfasst und ansieht, die die Fontäne auslösen. Harry ist gekommen, um Marianne zurück­zu­er­obern, die er eigent­lich abgegeben bzw. übergeben hat, an Paul. Wissent­lich. Aus freien Stücken.

Beob­achten darf man zwei Männer, die sich wie Teenager gebärden, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise. Der eine, Harry, der Mann, der extra aus Rom anfliegt, hüpft aufge­putscht mit Drogen, Alkohol und wer weiß, was noch, durch den Film. Der andere, jüngere, Paul ist eher der Typ »intro­ver­tierter, leicht depres­siver Teenager«. Beide sind sie verliebt. Man kann dieses amüsante Balzen beob­achten, wenn es doch auch völlig sinnlos ist, denn eines bemerken die beiden nicht: Marianne hat bereits ihre Entschei­dungen getroffen und Penelope mani­pu­liert sie, etwas unbedarft zwar, aber im großen und ganzen doch ganz gekonnt. Ihr scheint dabei tatsäch­lich nicht ganz klar zu sein, was sie damit auslösen kann, sie macht es viel eher aus einer Art Lange­weile heraus, die Marianne schon bald auf die Nerven geht. Der Konflikt zwischen den Frauen ist eigent­lich der inter­es­san­tere, wenn er auch nicht solche Folgen hat, wie der zwischen den beiden eifer­süch­tigen Männern, der sich im Laufe des Filmes weiter hoch­schau­kelt.

Immer wieder sind einzelne Dinge im Fokus, Gegen­s­tände, Körper­teile, die Achsel der Frau, frischer Fisch, kleine, gelbe Früchte, rosige Schrimps. Guada­gnino beschreibt das Para­die­si­sche, das Dekadente zusätz­lich mit seltsamen Schwenks und Zooms. Da sucht jemand seinen eigenen Stil. Es gibt einige gute Ansätze, also aufgeben sollte er nicht, aber ein bisschen suchen muss er doch noch.

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