American Pie

USA 1999 · 95 min. · FSK: ab 12
Regie: Paul Weitz
Drehbuch:
Kamera: Richard Crudo
Darsteller: Jason Biggs, Shannon Elizabeth, Alyson Hannigan, Chris Klein u.a.
Pubertät und Apfelkuchen

Ein »Kinoerlebnis«

Es passiert wirklich selten, dass ich aus dem Kino komme und das Gefühl habe, dass sich der Besuch überhaupt nicht gelohnt hat.
Na ja, diese Woche war es mal wieder so weit. Auf dem Programm stand American Pie von Paul Weitz und wer den Trailer gesehen hat, dem kann ich versi­chern, dass der Film nicht sehr viel besser ist als es die Werbung verspricht.
Die High­school­komödie muß wirklich ihre Fans haben, denn alle Jahre wieder kommt eine auf den Markt, eine zuviel, wenn man mich fragen würde. Die letzte, die ich gesehen habe, war Eine wie keine und wieso habe ich erwartet, dass sich im Zeitraum von ein paar Monaten irgend­etwas an der Qualität dieses Genres entschei­dend verbes­sern würde?
Also rein ins Multiplex... (Warum laufen in den großen Häusern nicht die richtig guten Filme?) Großes Kino, großer Saal, was bedeutet, dass man sich entscheiden muß, ob die klin­gelnden Handys oder die Popcorn kauenden Nachbarn nerviger sind. Als die Werbung zu Ende ist, setzt sich mein Alptraum dann auch direkt hinter mich. Zum Popcorn gesellt sich noch die Tatsache, dass der gute Mann offen­sicht­lich an Asthma leidet. Was soll ich ihn zuerst fragen? Ob er mit dem Essen oder dem Atmen aufhören will?

Zurück zur Leinwand. Es ist wirklich alles dabei, was man sich nur wünschen kann. Witze mit Abführ­mittel und Damen­toi­letten, sexhung­rige, mastur­bie­rende Austausch­stu­den­tinnen aus der fernen und exoti­schen Tschechei, usw.
Das läuft dann so: Ich sitze im Kino, sehe, dass irgend­je­mand nach dem Oralsex sein Sperma in einem Becher mit Bier abläßt und denke dann: »Oh, jetzt kommt bestimmt gleich jemand und trinkt aus diesem Becher und das wird dann sehr lustig sein...« Und was soll ich sagen? Ich habe eindeutig Talent für die Wahr­sa­gerei...
Worum es geht, dürfte eigent­lich jetzt schon klar geworden sein: Sex! Und nur um Sex. Die vier Schüler Jim, Finch, Kevin und Oz erleben ihr letztes Jahr in der High­school. Mit großem Ernst und Interesse bemerken sie plötzlich, dass sie für das College noch längst nicht reif sind. Denn eines hat bisher in ihrem Leben gefehlt: Was? Natürlich... Sex! Deadline des Filmes muß der berühmte und viel­zi­tierte Abschluß­ball sein, denn glaubt man entspre­chenden Filmen, verlieren 90 Prozent aller ameri­ka­ni­schen Einwohner an diesem Tag ihre Unschuld. Die vier Freunde beschließen also (wer hätte das gedacht) bis zu besagtem Tag Männer zu werden. (Der Typ hinter mir beginnt langsam wirklich zu nerven. Stück für Stück ißt er sein Popcorn... Ratsch ratsch, Ratschratsch... Offen­sicht­lich hat er irgendein verflucht perfides System ausge­klü­gelt, um genau zum Ende des Filmes mit seiner Tüte fertig zu sein. Nein, ich bin in keiner guten Stimmung. Schließ­lich ist dann doch mit dem Popcorn fertig. Er knüllt die Tüte zusammen und... verläßt das Kino. Ist der Typ nur zum Essen herge­kommen oder was? Wieso geht er nicht in ein Restau­rant?) Am Ende des Films haben wir es mit echten Männern zu tun; wieder eine Pubertät erfolg­reich abge­schlossen.

Die bezeich­nenste Szene spielt sich während des Abschluß­balls ab und bringt alles noch einmal auf den Punkt. Die Band spielt »Don`t you« und, ja natürlich, man denkt unwill­kür­lich an Breakfast Club. Das Cover kann das Original natürlich nie erreichen, der marode Zustand der Kappel­len­mit­glieder könnte ein Zeichen für Selbst­ironie sein, ich weiß es nicht, aber genau so verhält es sich mit American Pie. Wahr­schein­lich will der Film so etwas wie Breakfast Club sein, erreicht dessen Niveau jedoch zu keiner Zeit, weil er einfach nichts zu sagen hat und außerdem sind die 80´er einfach vorbei. Wir leben schließ­lich in den 00´ern, was mir an diesem Abend besonders deutlich wird.
Irgendwie verstehe ich auch nicht, wie ein solcher Film passieren kann, denn Verrückt nach Mary hat doch gezeigt, wie guter Witz aussehen kann. American Pie ist einfach nur infantil. Na gut, die Mehrzahl der Leute hat viel gelacht, aber ich werde anschei­nend zu alt für solche Sachen. Oder es ist einfach ein Film, den nur ein Ameri­kaner verstehen kann...

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