Am Ende der Gewalt

The End of Violence

F/D/USA 1997 · 122 min. · FSK: ab 12
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: ,
Kamera: Pascal Rabaud
Darsteller: Bill Pullman, Andie MacDowell, Gabriel Byrne, Traci Lind u.a.

Wim Wenders ist einer der wenigen deutschen Filme­ma­cher, den man immer noch als Auto­ren­filmer bezeichnen kann und der trotzdem inter­na­tio­nales Ansehen genießt. Er beherrscht die Grat­wan­de­rung zwischen Kommerz und Anspruch.
In Rahmen­hand­lungen, die Elemente des ameri­ka­ni­schen Thrillers verwenden, finden sich konti­nu­ier­lich Reflek­tionen über indi­vi­du­elle Lebens­si­tua­tionen, als Modell für gesell­schaft­liche Symptome.

In The End of Violence gelangt der erfolg­reiche Holly­wood­film­pro­du­zent Mike Max in die Gewalt von zwei kleinen Auftrags­kil­lern. Sein Leben könnte jetzt gleich zu einem Ende kommen, wenn es nicht die Macht der Sprache gäbe und die Sehn­süchte der Menschen. Es gelingt ihm die beiden Killer verbal zu verwirren und ihre Sehn­süchte nach Aner­ken­nung, Erfolg, nach einem normalen Leben zu wecken. Mike Max wird überleben und bewußtlos im Garten eines Luxus­an­we­sens von mexi­ka­ni­schen Gärtnern aufge­lesen und in ihrer Familie wieder aufge­päp­pelt. Die beiden Killer dagegen werden am nächsten Tag tot aufge­funden.
Mike Max will gar nicht wieder zurück in sein Leben, er möchte diesen Anschlag auf sein Leben aufklären und zieht die Rolle des Voyeu­risten und Außen­sei­ters vor.

Über die Figur des Mike Max werden unter­schied­liche Leben­sträume, Situa­tionen und Indi­vi­duen mitein­ander verknüpft.

»Wir hatten ein Thema, das war Gewalt, und wir waren uns einig, daß sie nicht zur Materie des Films, zur Attrak­tion, zur Unter­ma­lung werden sollte, sondern wirklich das Thema des Films bleiben sollte. Wie aber schreibt man eine Story über Gewalt, ohne sie selbst unab­lässig ins Bild zu rücken? Also entwi­ckelten wir zuerst eine Konstel­la­tion von Charak­teren, die nichts mitein­ander gemein hatten, vor allem keine gemein­same Geschichte.« (Wenders)

Wim Wenders ist immer auf der Suche und setzt die Suche in seinen Filmen fort.

The End of Violence scheint jetzt der endgül­tige Beweis zu sein: Wim Wenders ist in Wahrheit ein Gold­hamster! Ein Gold­hamster im goldenen Käfig, der sich in seinem Rad auf die Suche macht und sich dreht und dreht und dreht. Während er sich noch anstrengt, scheint ihm doch schon klar, daß Ende und Anfang, Frage und Antwort, Sinn und Unsinn eins sind.
Und da Wenders ein spre­chender Gold­hamster ist, haben auch die Figuren in seinem Film die Aufgabe möglichst alles auszu­spre­chen.
Ihre Rollen entspre­chen haargenau den Klischees, die sich jeder von einer reichen, aber unbe­frie­digten Ehefrau macht, oder einer jungen erfolg­losen Schau­spie­lerin, oder einem jungen Poli­zei­de­tektiv, oder einer netten, armen mexi­ka­ni­schen Groß­fa­milie, oder aber auch von einem erfolg­rei­chen Holly­wood­film­pro­du­zenten wie Mike Max, der von einem Tag auf den anderen, den wahren Sinn des Lebens außerhalb von Glamour suchen wird.

Es ist erstaun­lich: Der Film sieht genauso aus, wie man sich einen Film vorstellen könnte, der von einem Filme­ma­cher ist, der mit dem Neuen Deutschen Film in den 70er Jahren begann, mitt­ler­weile schon mehrfach in Cannes für seine Filme Ehrungen erhielt und heute versucht, einen Film zu machen, der genau das verraten soll, was ihm zur Lebens­grund­lage wurde – ein goldener Käfig, in dem Erfolg alles ist und Gewalt sehr viel mehr mit Macht, in all ihren Erschei­nungs­formen, als mit Munition zu tun hat.

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