187 – Eine tödliche Zahl

187

USA 1997 · 123 min. · FSK: ab 16
Regie: Kevin Reynolds
Drehbuch:
Kamera: Ericson Core
Darsteller: Samuel L. Jackson, John Heard, Kelly Rowan, Clifton Gonzales u.a.

»Ich bin Lehrer!« Beschwö­rend wieder­holt Garfield diesen Satz immer wieder, um Respekt zu heischen für seinen schwie­rigen und doch so verach­teten Beruf. Er beschwört damit vor allem sich selbst, denn nach und nach schwindet sein eigenes Berufs­ethos dahin. Einmal wurde er schon nieder­ge­sto­chen von einem rachsüch­tigen Schüler, doch davon hat er sich erholt und sich einer neuen Aufgabe in einer anderen Schule gestellt. Doch die Jugend­li­chen, unin­ter­es­siert, aggressiv und zugekifft, lassen seinen hoff­nungs­vollen Lehr-Versuchen keine Chance. Von der zu laschen, zu büro­kra­ti­schen Schul­ver­wal­tung ist keine Unter­s­tüt­zung zu erwarten. Garfield hat nur eine einzige Verbün­dete an der Schule, eine Lehrerin, mit der er sich anfreundet und die auch unter den Belas­tungen leidet. Die K.O.S.-Gang in seiner Klasse macht Garfield besonders zu schaffen, die Bedro­hungen durc die drei Jungs wird immer dras­ti­scher, bis der Lehrer schließ­lich seine Ideale aufgibt und selbst zum Gewalt­täter wird. Einen Schüler läßt er verschwinden, einem anderen schneidet er den Finger ab. Schließ­lich wartet er geduldig die Rache der Gang ab, die in sein Haus eindringt, um ihn umzu­bringen, und sogar seine eigene Exeku­tie­rung macht Garfield noch zur Unter­richts­stunde.
1-8-7 ist kein Flotter-Pauker-bekehrt-alle-faulen-Schüler-Film wie etwa Club der toten Dichter oder Dangerous Minds, auch kein Ein Lehrer sieht rot, sondern irgendwo im grauen Bereich dazwi­schen. Das Ergebnis ist dennoch keine geschickte Grat­wan­de­rung geworden, sondern die reine mora­li­sche Plan­lo­sig­keit. Einer­seits werden die laschen Methoden der Liberalen gebrand­markt, andrer­seits distan­zieren sich die Macher vom Waffen­fe­ti­schismus und am Ende auch demons­trativ von der »harten Tour«. Die Entwick­lung der Haupt­figur, die der Film jedoch statt­dessen als eigen­s­tän­digen Gedanken anbieten hätte können, wird jedoch gerade in dem Moment vernach­läßigt, wo es drauf ankäme. Das Über­schnappen des über­for­derten Lehrers wird viel zu lange im Unklaren gelassen, der Zuschauer kann sogar noch glauben, es handle sich um einen normalen Krimi. So wurde das einzig entschei­dende Motiv, welches den Film inter­es­sant gemacht hätte, irgend­wel­chen Regie-Stra­te­gien geopfert. Warum Garfield an einem bestimmten Punkt gewält­tätig wird, bleibt schlei­er­haft, ebenso wie seine darauf­fol­gende, urplötz­liche Resi­gna­tion, die zwar wortreich, aber trotzdem nichts­sa­gend behauptet wird. Als Recht­fer­ti­gung für all den filmi­schen Aufwand dieses Blut- und Tränen­dramas hält 1-8-7 nur Volks­reden bereit. In aller Ausführ­lich­keit haben Autor und Regisseur uns die Bestand­teile eines Filmes über die alltäg­liche Gewalt vor die Nase gesetzt, nur um uns am Ende nichts zu zeigen als die eigene Ratlo­sig­keit. Genau das hat zwar Spike Lee mit Do the right thing auch getan, der aber wußte sehr genau, daß er nichts weiß. In 1-8-7 wird statt­dessen stur weiter­ge­schwätzt.

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