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Wir schreiben das Jahr 2035, die Erde wird wieder von den
Tieren beherrscht, da 1997 ein Virus fast die gesamte Menschheit ausgelöscht
hat. Die Überlebenden der Katastrophe hausen unter der Erde in einer
Art von totalitärem Staat, in dem Abweichler in Gefängnisse gesteckt
werden, die aus Käfigen anstatt aus Zellen bestehen.
Einer dieser Häftlinge, James Cole (Bruce Willis), wird ausgewählt,
mit einer Zeitmaschine, die alles andere als zuverlässig funktioniert,
zurück ins Jahr 1996 zu reisen, um den Ursachen der Viren-Apokalypse
nachzugehen. Doch dummerweise landet Cole zunächst 1990, wo er für
verrückt erklärt wird und in einer geschlossenen Abteilung die
Psychiaterin Dr. Kathryn Railly (Madeleine Stowe) und den Patienten Jeffrey
Goines (Brad Pitt) kennenlernt. 1996, auf Coles zweiter Zeitreise, begegnen
sie sich erneut: Cole, Dr. Railly und Goines, der, wieder in Freiheit,
zum radikalen Tierschützer wurde und die mysteriöse Organisation
"12 Monkeys" gründete...
Mit "12 Monkeys" greift Ex-Monty Python Terry Gilliam eines seiner zentralen
Themen, die Gegenüberstellung von Realität und subjektiver Wirklichkeit,
erneut auf. Die Hauptfigur Cole wird von realistisch anmutenden Alpträumen
heimgesucht und verliert durch die ständigen Sprünge in der
Zeit, den Sinn dafür, Erlebnisse als real einzuordnen. Jedoch anders
als in Gilliams Film "Brazil", in dem der Held Sam Lowry der teuflischen
Wirklichkeit am Ende ein Schnippchen schlagen kann und sich in seine Phantasien
flieht, muß Cole erkennen, daß zwar mehrere zeitliche Ebenen
existieren, diese aber alle auf eine äußerst komplexe Wirklichkeit
verweisen und sogar seine Träume nur Reflexionen dieser Wirklichkeit
sind, aus der es (scheinbar) kein Entkommen gibt.
Wer "Brazil" gesehen hat, wird aber noch mehr Parallelen zu "12 Monkeys"
erkennen. Gilliam selbst zitiert seinen Film von 1985 in einer Einstellung
fast bild- und schnittgenau. Die Ästhetik der fiktiven Gesellschaft
in "Brazil" wird bis in Details in die Utopie von "12 Monkeys" übernommen,
man bekommt wieder diesen absurden und beklemmenden Eindruck einer Zukunftsvision,
die aus Versatzteilen der Vergangenheit zusammengesetzt wurde, und die
Zeitebenen verschwimmen so schon in den Bildern. Diese Ästhetik wird
aber darüberhinaus in eine martialischere, Gewalt ausstrahlende Richtung
weitergesponnen.
Schließlich ähneln sich auch die gesellschaftlichen Strukturen
in den beiden Filmen: Eine totalitäre Regierung übt ihre restriktive
Macht offensichtlich nur zum Zweck der Selbsterhaltung aus, wobei die
Zentrale der Macht unerkannt bleibt. Die Mächtigen in "12 Monkeys"
versuchen eben nicht den Ausbruch der Apokalypse in der Vergangenheit
zu verhindern, was ihre Gegenwart völlig verändern und das Ende
ihre Herrschaft bedeuten würde, sondern sie versuchen lediglich den
nicht mutierten Virus in ihre Hände zu bekommen, um mit Hilfe eines
Gegenmittels an die Erdoberfläche zurückzukehren. Im Unterschied
zu "Brazil" visualisiert Gilliam dieses Mal sogar die Parallelen seiner
Utopie zur "realen" Gesellschaft, indem er die Gegenüberstellungen
Coles mit den Wissenschaftlern des 21. Jahrhunderts und denen des 20.
Jahrhunderts durchaus sehr ähnlich inszeniert. Und in beiden Fällen
bekommt Cole die Macht der Wissenschaftler auf äußerst unangenehme
Weise zu spüren.
Max Herrmann
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