artechock: Als Schauspielerin hast Du in der Branche
ja Deinen Ruf weg: Du giltst als handwerklich hervorragend,
super Ausstrahlung, pipapo - aber persönlich sollst
Du etwas zickig sein...
Krebitz: Quatsch. Das stimmt einfach nicht.
Hört man aber oft...
Trotzdem Quatsch. Ich bin nicht zickig, im Grunde hab ich
einfach nur gearbeitet, genau und verantwortungsvoll. Am Anfang,
als ich noch sehr jung war, haben mich manche Regisseure sicher
auch nur wegen meiner braunen Kulleraugen besetzt, und wenn
man dann plötzlich auch den Mund aufmacht, und seinen
eigenen Kopf hat, kommt es schnell zu solchen Ansichten. Ich
habe mit Autoren und Regisseuren oft um Texte gekämpft.
Besonders im deutschen Fernsehen sind die geschriebenen Texte
häufig ganz schrecklich, klingen wie aufgesagt. So redet
aber keiner, so steht es nur in deutschen Drehbüchern.
Und das mag ich nicht gern sprechen, da diskutiere ich dann
schon. Aber nicht alle können mit solcher Kritik umgehen.
Nun könnte ich umgekehrt auch etwas über störrische
Redakteure und bornierte Regisseure erzählen - das ist
mir aber zu doof.
Jetzt stehst Du plötzlich selber auf der anderen Seite...
Da bin ich noch ziemlich unreif: Ich finde es schon so toll,
dass da wirklich zwei Schauspieler das spielen, was ich mir
ausgedacht habe - und man sieht es dann in Wirklichkeit. Für
mich ist das ein Riesengeschenk, wie Weihnachten. Ein Grossteil
meiner ersten beiden Filme - von JEANS und dem Kurzfilm MON
CHERIE, der ein Teil des Episodenfilm "99 EURO"
geworden ist - entstand dann am Schneidetisch. Da ich auf
digitalem Material gedreht habe,konnte ich experimentieren,
und beim Dreh viel improvisieren.
Wie kam es dazu, dass Du selber überhaupt zur Regisseurin
wurdest?
Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt.
Am Film hat mich nie nur dran interessiert, dass ich darin
vorkomme. Man kann als Filmschauspieler am Ende nur ein, zwei
Filme im Jahr drehen, die man selbst wirklich gut findet.
Und das füllt einen auf Dauer nicht aus. Ich kann als
Schauspieler auch nicht den ganzen Tag ins Fitnesstudio rennen,
meine Wohnung in allen möglichen Farben streichen...
Also wollte ich etwas Sinnvolleres tun.
Woran haben Sie sich in ihrer Arbeit orientiert?
JEANS ist ein spontanes Projekt gewesen, als ichbegonnen
habe, habe ich über vieles gar nicht so genau nachgedacht:
Kann ich das, oder nicht? Ich finde, ich konnte es ganz oft
nicht, an vielen Stellen, und es ist im Gesamtergebnis trotzdem
sehr ok geworden. Gerade weil man die Spontaneität sieht.
Aber: der Film ist mir nicht "passiert".
In seiner Machart erinnert JEANS an den Autorenfilm: Rausgehen,
Filmemachen, Wahrheit und Authentizität herzustellen
aus dem Experiment. War das ein Vorbild?
Das Problem ist, dass dies so heute gar nicht möglich
ist: Man kann das nur wiederholen, wieder so tun, als sei
man wiederin denSechziger Jahren. So theoretisch bin ich da
gar nicht'rangegangen. Ichwollte einfach diesen Film machen,
und hatte gar keine andere Möglichkeit zu dem Zeitpunkt,
als billig auf DV und spontan zu drehen. Deswegen war eskein
Prinzip oder Konzept, sondern der Zwang der Verhältnisse.
Das war halt so.
Warum heißt der Film eigentlich JEANS?
Ich hatte bei dem Titel natürlich außer an die
Jeans,auch noch an das nette Wortspiel gedacht, an die Gene,
die Jungs und Mädchen verbinden. Im Kleidungsstück
"Jeans" löst sich genau dieses Geschlechterverhältnis
auf. Das ist ein Symbol, auch weil man als junger Mensch oft
ein spezielles Verhältnis zu seiner Lieblingsjeans hat,
immer eine perfekte sucht, aber noch nicht gefunden hat. Wie
die Liebe. So wie es irgendwo die ideale Jeans gibt, gibt
es auch irgendwo die wahre Liebe.
Was war Deine Hoffnung, hat sie sich erfüllt?
JEANS wurde in Berlin gedreht, mit jungenLeuten, die so reden,
wie die eben reden, so aussehen, wie die eben aussehen. Ich
habe mir nicht vorgenommen, einen Berlin-Film zu machen, oder
zu sagen, wie es in Berlin ist zur Jahrtausendwende. Aber
ich wollte etwas erhaschen vom... Zeitgeist vielleicht, ein
schreckliches Wort. Aber ich hoffe, dass der Film offen ist,
und dass es da nicht so um mich geht. Es geht auch um all
diese Aspekte des Jungseins. Ich hoffe, der Film ist lustig.
|