artechock: I SPY ist die Kinoversion einer 60er-Jahre-TV-Serie,
eine Referenz an die Zeit, in der man noch klassische Agenten
und Spionagestories erzählen konnte. Der Film belegt: Sie
scheinen ein Faible für Ironie und zwielichtige Figuren
zu haben...
Janssen: Ja, bis zum Ende ist meine Figur sehr schillernd.
Man weiß nicht, was man von ihr halten soll, wo sie steht.
Der Film hat viel Spaß gemacht. Ich musste sehr, sehr schnell
sein, um mit einem Komiker wie Eddie Murphy mitzuhalten. Sein
Verstand arbeitet rasant. Es war richtig einschüchternd.
Wie ist Ihr Dasein als Europäerin in Hollywood? Es
ist ja eine spezielle Situation. Haben Sie es besonders
schwer?
Ich kann das schwer vergleichen: Ich weiß ja nicht,
wie es ist, als Amerikanerin in Hollywood zu sein. Und in
Europa habe ich erst später gearbeitet, für US-Produktionen.
In jedem Fall behandelt man mich ein wenig als Exotin. Denn
einen ganz leichten Akzent werde ich nie ablegen, er ist quasi
mein Markenzeichen.
Gibt es ein bestimmtes "Type Casting" für
Europäer?
Ja, man wird anders besetzt. Oft sind die "Bösen"
europäische Darsteller - das "Fremde" wird
eben mit Misstrauen betrachtet. Andererseits bin ich nicht
sicher, ob man mich dort noch wirklich als Europäerin
sieht. In Europa tut man das. Ich habe mich ins System integriert.
Eher bin ich eine Amerikanerin mit Exotik.
Sie haben ein sehr spezielles Rollen-Image: Sie sind weder
das typische "bad girl", noch die Gute, sie sind
fast "zu" groß gewachsen, spielen "sonderbare"
Frauen, aber strahlen nicht zuletzt Stärke und Intelligenz
aus, manchmal geradezu bedrohlich...
[Lacht] Ich hoffe nicht. Ich habe früher viel über
so etwas nachgedacht, mit dem Ergebnis, dass ich kein bestimmtes
Image haben möchte. Ich will natürlich Karriere
machen, aber ich tue das mit großen Filmen ebenso wie
mit Independent-Produktionen. Mein Ziel ist, möglichst
verschiedene Rollen zu spielen, möglichst verschiedene
Filme zu machen. Zum Film bin ich als Kino-Liebhaberin gekommen,
als Fan bestimmter Regisseure. Daher kommt es, dass ich manchmal
eine schwächere Rolle annehme, nur um mit einem guten
Regisseur oder einem interessanten Kollegen zu arbeiten. Und
manchmal ist es das Script, das mich fasziniert: Beispielsweise
die Komödie LOVE & SEX, ein Independent-Film von
einer unbekannten Regisseurin, mit unbekannten Darstellern.
Für mich war das eine tolle Rolle, so etwas hatte ich
nie gespielt, also bin ich das Risiko eingegangen. Es kann
nicht immer alles perfekt sein - jedenfalls nicht für
mich, jetzt.
Was war der Reiz bei I SPY?
Es ist sicher nicht die Rolle meines Lebens, auch nicht der
herausforderndste Film. Aber Betty Thomas, die früher
Darstellerin war, fand ich eine interessante Wahl. Und Eddie
Murphy und Owen Wilson sind tolle Darsteller. Mit ihnen wollte
ich sehr gern zusammenarbeiten. Beide sind sehr gut, dabei
sehr verschieden - was die Kombination wieder interessant
macht.
Sie scheinen auch ernsten Rollen immer ein humorvolles
Element zu geben. Halten Sie sich selbst für eine bessere
Komödiantin, oder liegen Ihnen ernste Rollen doch besser?
Ich probiere beides. Ich liebe Komödien, aber es ist
schwer, gute zu finden. Und das Genre der "Romantic Comedy"
kann manchmal auch ganz schön doof sein! Darum mochte
ich damals LOVE & SEX so gern: Die Story war so viel realistischer
- so, wie ich selbst das Beziehungsleben kenne. Natürlich
nicht bezogen auf das Hollywood-Klischee einer idealen Beziehung,
das meiner Ansicht nach unser aller Beziehungsleben eher vergiftet
- es weckt blödsinnig hohe Erwartungen. Solche Art Leben
existiert gar nicht.
Was macht Regisseurin Valerie Breiman eigentlich heute?
Haben Sie noch Kontakt?
Ja, ich habe erst neulich mit ihr gesprochen. Ich glaube,
sie schreibt an einem neuen Film. Ich würde auch gerne
wieder mit ihr arbeiten. Sie war nur in letzter Zeit in einer
Position, die ich sehr gut nachvollziehen kann: Nach dem Erfolg
von LOVE & SEX bekam sie Regie-Angebote, hinter denen
sie nicht wirklich gut stehen konnte. Also musste sie sich
erst einmal um gute Stoffe kümmern.
Ich kenne das von meiner eigenen Karriere: Ich will ja nicht
behaupten, dass ich alle meine Filme aus künstlerischen
Gründen gemacht hätte. Aber man kann auch nicht
dauernd so denken. Ich will nicht sechs Monate meines Lebens
verschwenden. Es gibt Dinge, die macht man, um seine Miete
zu bezahlen, andere, weil sie einen faszinieren.
Auf welche Ihrer Filme sind sie besonders stolz?
Auf meine Filme mit Robert Altman und Woody Allen - das war
eine Art Ritterschlag, wenn man bedenkt, was für Hürden
ich überwinden musste: Europäerin, Ex-Model, Bond-Darstellerin...
Was unterscheidet diese großen Regisseure vom Rest?
Jeder ist anders. Ich fand Altman besonders faszinierend.
Er hat einen komplett anderen Ansatz als typische Hollywood-Regisseure.
Er liebt Proben, aber er gibt Schauspielern später viel
Freiheit. Es war so, dass er einem den Raum gezeigt hat, und
dann meinte: "Mach, was Du für richtig hältst."
Das ist so selten! Oft zeigt einem der Regisseur eine Marke
am Boden: "So, hier stellst Du Dich hin! Hier sagst Du
den und den Satz."
Hat sich Hollywood in den letzten Jahren verändert?
Es befindet sich in konstantem Fluss. Es geht letztlich nur
um Geld und Zuschauer. Und darum, wie man beides bekommt.
Es ist interessant zu beobachten, und ich mag das.
Was sind Ihre nächsten Pläne?
X-MEN II kommt noch ins Kino. Aber ich brauche jetzt etwas
anderes. Ich mache zwei Independent-Filme.
Und ganz allgemein? Haben Sie Angst vorm Altern?
Naja, ich weiß, dass die Rollen bald weniger werden.
Bis dahin geniesse ich die Zeit. Und dann gelingt es mir vielleicht,
Drehbücher zu schreiben, mal Regie zu führen.
Immerhin: Ihnen ist gelungen, etwas zu erreichen, was viele
nie erreichen: Sie sind vom ersten Film an ein Star, heute
berühmt, eine Art Ikone. Und manche haben Sie genau
aufgrund dieser ikonischen Qualität gecastet... Zum
Beispiel Roberto Rodriguez für THE FACULTY...
Ich vermute - ja. Dabei ist das überhaupt nicht mein
Lieblings-Genre. Aber was für ein cooler Regisseur!
Aus Ihrer Perspektive mag das alles so aussehen. Mir selbst
kommt es wie ein kontinuierlicher Kampf vor. Man hangelt sich
von Rolle zu Rolle. Sicher habe ich mich nie gefühlt.
Ich hatte nie das Gefühl: Ich habe es geschafft. Vielleicht
sollte ich es. Vielleicht habe ich auch die Latte sehr hoch
gehängt.
Was ist Ihr Lieblingsgenre?
Filme wie BRAVEHEART und GLADIATOR. Große, epische
Filme...
Sie wären gern eine römische Kaiserin...
Ja! Ich weiß, dass sie jetzt ALEXANDER; DER GROSSE
drehen werden - und ich wäre so gern dabei. Oder HANNIBAL.
Und DER TROJANISCHE KRIEG. Aber ich mag auch Filme über
echte Menschen, wie DEER HUNTER.
Hatten Sie zu Beginn eigentlich einen Karriereplan?
Ja. Ich wollte mit guten Leuten arbeiten. Manchmal hat es
geklappt, manchmal nicht.
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