artechock: Was an "Dreizehn" besonders
gefällt, ist sein Realismus. Der Film beschreibt kühl,
moralisiert nie. Woher wissen Sie soviel über die heutigen
Jugendlichen?
Hardwicke: Ich wusste gar nichts. Aber durch meine
Stieftochter Nikki Reed, die auch die eine Hauptrolle spielt,
und ihre Freunde, habe ich viel gelernt. Wir haben das Drehbuch
zusammen geschrieben, aber die meisten Fakten stammen von
ihr. Und das Verhältnis der Mutter, die Holly Hunter
spielt, und der Tochter trifft etwa unser Verhältnis
zu jener Zeit.
Erwachsene tun sich schwer, Heranwachsende zu verstehen.
Das ist ein uraltes Thema. Was ist das neue in "Dreizehn"?
Wer seinen 13.Geburtstag feiert, der steht zwischen Kindheit
und Erwachsensein. Zu allen Zeiten setzten sich Jugendliche
von ihren Eltern ab. Man probiert Drogen aus, lernt Sex kennen
- ich will das alles nicht verherrlichen, aber es scheint
dazuzugehören. Die Welt der Kiddies ist den Erwachsenen
verschlossen. Und die Eltern glaubten, auch wenn sie selbst
das Gleiche erlebt haben: "Mein Kind ist anders. Mein
Kind tut so etwas nicht." Aber das sind Illusionen. Man
kann nur versuchen, den Kontakt zu den Kindern nicht zu verlieren.
Was aber neu ist, ist die Bedeutung des Konsums und einer
Kultur des Oberflächlichen. Heute diktiert nicht so sehr
der Wunsch zu experimentieren, die Welt und ihre Gefahren
kennen zu lernen, das Leben der Teenies, sondern die Mode,
der Drang perfekt auszusehen. Ich kenne 16jährige, die
haben schon mehrere Schönheitsoperationen hinter sich.
Sie stehen um 6 Uhr auf, und schminken sich zwei Stunden für
die Schule. Das ist pervers - und keine Frage: Es hat schlechte
Folgen!
Auch Konsum gibt es schon lange. Ist dies heute wirklich
so neu?
Ich denke schon. sehen Sie die Werbung an: Heute verspricht
sie Sinn und ein besseres Leben, sie suggeriert: Ohne Konsum
sind wir unglücklich. Es gab schon immer Extreme. Aber
das Extreme ist heute normal geworden.
Was auffällt: In "Dreizehn" kommen kaum
Jungs vor, und wenn, dann nur am Rand...
Ja, [Lacht] da sehen die Männer, mal, wie es Frauen
geht, wenn sie einen normalen Hollywood-Film sehen. Ich wollte
alles aus der Sicht der Mädchen zeigen. Und das heißt:
Die Clique zählt. Jungs sind nur eine Art Preis, den
man gewinnen will, ein Objekt. Es geht nicht um Liebe, sondern
um Trophäen. Ich denke, in den letzten zehn Jahren sind
Jungen zum schwachen Geschlecht geworden. Die Mädchen
sind überlegen: schneller, intelligenter, weiter entwickelt,
und durch ihren Sex-Appeal viel mächtiger.
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