13.03.2014

Sexfilme mit Herrenwitz

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Da grillt das Fleisch:
Es war nicht die Nachtigall ist nicht immer appetitanregend

Eine Hommage zum 70. Geburtstag von Siegfried Rothemund aka Siggi Götz im Münchner Werk­statt­kino

Von Dunja Bialas

Das »lichte Gegen­s­tück zu Alpen­glühn im Dirndl­rock«: So beschreibt Ulrich Mannes, Heraus­geber des Fanzines »SigiGötz-Enter­tain­ment«, den Film Summer Night Fever. Mannes ist seit jeher ein Bewun­derer der Dirndl­rock- und Höschen­filme, die in den 70er Jahren zur vollen Blüte kamen. Der am meisten verehrte Regisseur der verbrämten Sexfilme ist Namens­pa­tron des Fanzines, Siegfried Rothemund aka Siggi Goetz, Vater von Marc Rothemund (Heute bin ich blond).

In den Filmen, mit Titeln, die sich vom Herren­witz nicht wirklich distan­zieren, wie Geh, zieh dein Dirndl ausGlückauf, der Steiger kommt!Grie­chi­sche Feigen oder Drei kesse Bienen auf den Phil­ip­pinen, geht es um erotische Anbah­nungen, die in durchaus expli­ziten Sexspiel­chen enden. Bückware, die es dennoch auf die Leinwand geschafft hat, und die (Alpen-)glühende Verehrer fand. Trotz der meist recht einfach gestrickten und linearen Plots kann in den Filmen durchaus etwas Subver­sives entdeckt werden: Meist brennt ein junges Mädel durch, aus Protest gegen das lust­feind­liche, lang­wei­lige und spießige Eltern­haus. Zunächst landet sie als will­kom­menes Opfer in den Armen eines alternden Lust­molchs, findet aber später, nach allerhand Aben­teuern auf ihrer Wander­schaft durch viel­fäl­tige Sexland­schaften, dann doch noch den attrak­tiven Jüngling, mit dem sie endlich so richtig Spaß haben kann. Herzen werden dabei nicht gebrochen.

Die gesell­schaft­liche, wenn auch in der Aussage etwas eindi­men­sio­nale Brisanz der Filme wird heute immer noch aktua­li­siert durch Dirndl-Sprüche wie von Rainer Brüderle. Umgekehrt kann man ausrufen: Wie frei, wie unbe­küm­mert begab man sich damals in die Reife­prü­fung! Heute haben die Filme aus den 70ern natürlich einen wunder­baren Retro-Touch, den man bereit­willig goutiert: die verträumten Lieder, die auch gerne die Hippie-Bewegung aufgreifen, die braun­ge­brannten Körper, die lustigen Frisuren, die anzüg­li­chen Dialoge (ja, auch die).

Jetzt wird Sigi Rothemund siebzig, und das Werk­statt­kino zeigt gemeinsam mit dem »SigiGötz-Enter­tain­ment« den Film, mit dem er nach Sexperte Ulrich Mannes den »ersten Schritt zum anspruchs­vollen Unter­hal­tungs­kino unternahm«: Es war nicht die Nach­ti­gall. Der Inhalt erzählt eine Deflo­ra­ti­ons­ge­schichte, diesmal mit einem Jüngling: Der 17-jährige Inter­nats­schüler Pauli will die Ferien bei seinem Vater am Wört­hersee verbringen, wo ihn die aufreiz­ende Geliebte des Vaters, seine skurrile Groß­mutter, sein verrückter Onkel Alex, Tante Miriam und vor allem eine schöne Nach­bar­sto­cher Andrea in eine verspä­tete Puber­täts­krise stürzen.

Im Vorpro­gramm zeigt Ulrich Mannes, der selbst auch Filme dreht, den Teaser zu seinem neuesten Projekt: eine filmische Spuren­suche nach der Grie­chi­sche Feigen-Darstel­lerin Betty Vergès. Allzu warm sollte man sich für den Abend nicht anziehen.

Es war nicht die Nach­ti­gall. Zum 70. Geburtstag von Sigi Rothemund aka Siggi Götz
Freitag, 14.03., Werk­statt­kino, 20:30 Uhr

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Literatur: Ulrich Mannes, Alpen­glühn 2011 – Ein Dialog zum deutschen Erotik­kino, Verbre­cher­verlag

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