| Finnland/USA 2025 · 150 min. · FSK: ab 12 Regie: Josh Safdie Drehbuch: Ronald Bronstein, Josh Safdie Kamera: Darius Khondji Darsteller: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Tyler the Creator, Fran Drescher, Odessa A'zion u.a. |
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| Hat extra viel Tischtennis für die Rolle gespielt: Chalamet | ||
| (Foto: Tobis) | ||
Zwei Männer, zwei Schläger und ein Plastikball: Marty, triefend vor Schweiß und ausgelaugt. Sein japanischer Kontrahent Endo roboterhaft und ohne eine Spur der Erschöpfung auf der anderen Seite, bereit seinen Matchball zu verwandeln. Marty gibt alles, streckt sich, springt hinter den Bällen her, während der Japaner stets die Kontrolle behält und letztlich den Matchball verwandelt: Ein Sinnbild für Martys Traum, der beste zu werden, und seinen Versuch, den Ballwechsel des Lebens unter Kontrolle zu bringen.
Nach Benny Safdies The Smashing Machine präsentiert nun der zweite Safdie-Bruder seinen ersten Solofilm. Auch hier geht es um einen Sportler, der stets am Rande der Selbstzerstörung zu sein scheint. In Teilen inspiriert von Marty Reisman, einer Ikone des Tischtennisspiels, der Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre seine größten Erfolge feierte. So erzählt Josh Safdie von Marty (Timothée Chalamet), der den großen Traum hat, der beste Tischtennisspieler der Welt zu werden. Um das zu erreichen, gaunert er sich durch New York, um Geld zu sammeln und sich über Wasser zu halten, während sein Privatleben zum allgemeinen Kollateralschaden wird.
Das Ganze vor der Kulisse des New Yorks der 1950er Jahre in beeindruckender Retro-Optik, die von den Kostümen bis in die detaillierte Ausstattung zu spüren ist und dem Film einen Hauch von Period-Piece verleiht.
Das Ziel heißt Weltmeisterschaft, für die Marty Geld auftreiben muss, um eine auferlegte Geldstrafe zu bezahlen. Nachdem er seinen Chef bestiehlt, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, in welchem Marty von einem Diebstahl zum nächsten geht und nebenbei noch in einer kleinen Spelunke beim Tischtennis nichtsahnende Arbeiter um ihr Geld erleichtert. Währenddessen muss er sich mit seiner anderen Affäre Rachel (Odessa A’zion) auseinandersetzen, die von ihm schwanger ist und im Begriff, den cholerischen Ehemann für ihn zu verlassen. Trotz der tragischen Figur des Marty, der sich mit jeder seiner angestrebten Lösungen immer tiefer in Schwierigkeiten begibt, schafft es der Film durch pointierten Humor-Einsatz und einem sich die Seele aus dem Leib spielenden Chalamet, nie zu einem Mitleids-Drama zu werden.
Safdie inszeniert in wildem Genremix aus Sportfilm und Gaunerdrama. Während die Kamera (Darius Khondji) so nah wie es nur geht an den schwitzenden Gesichtern seiner Protagonisten klebt, erzeugt der Schnitt (Ronald Bronstein, Josh Safdie) durch seine Geschwindigkeit das Gefühl, man würde sich selbst in einem rasanten Tischtennis-Match befinden. Schlag auf Schlag, mit der latenten Bedrohung, der Ball könne ins Netz gehen und Martys Leben endgültig in sich zusammenfallen.
Marty Supreme schafft es am Ende jedoch nicht, einen so intensiven Eindruck wie die Safdie-Doppel Uncut Gems und Good Time zu erzeugen. Dafür dreht sich der Film einmal zu viel im Kreis, zeigt eine von Martys Gaunereien zu viel und fällt im letzten Akt qualitativ zu sehr ab. Dennoch zeigt der Film ein weiteres Fest der Selbstzerstörung, wie man es von den Safdies gewohnt ist. Damit bleibt der Film am Ende ein Sieg, wenn auch kein perfekter. Das gilt auch für Timothée Chalamet, dem dank seiner großartigen Leistung und nicht zuletzt wegen des kalkuliert darauf abzielenden Marketings der Oscar für den besten Hauptdarsteller so gut wie sicher ist.