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Afriques: Comment Ca Va Avec La Douleur?

 
 
F 1996 - 165 Minuten -
Regie: Raymond Depardon
Kamera: Raymond Depardon
Drehbuch: Raymond Depardon
Besetzung:
 
 
 
 

Afrika: Was machen die Schmerzen? Africa: What about the Pain?

Raymond Depardon erzählt uns von Afrika, von dem Afrika, das er liebt, dem Alltagsafrika, dem herzerwärmenden, großzügigen, einmaligen, zerrissenen und reinen Afrika. Bei dem Film handelt es sich um ein gefilmtes Tagebuch, die Crew besteht aus einer Person, das Mikro ist auf der Kamera befestigt. Auf der Reise durch die filigranen Landschaften des afrikanischen Kontinents von Juli 1993 bis Februar 1996 stellt er sich seinen eigenen vorgefaßten Meinungen. Er zeigt und beschreibt uns das Kap der Guten Hoffnung, Soweto, le Karoo; Johannesburg in Südafrika; Angola von den Hochebenen bis zur Grenze nach Namibia; die Flüchtlingslager in Ruanda und Burundi; die Gefängnisse der für den Völkermord Verantwortlichen; Aids in Kigali; Äthiopien, der historischen Route folgend, und die Höhlenkirchen in Laibela; Somalia, wo gerade die ‘Aktion gegen den Hunger’ in vollem Gange ist; Mogadischu und das Hotel Croce del Sud; die Sümpfe des Bar el Ghazal; ein Sterbelager in Nimule im Sudan; die erloschenen Vulkane von Natron; die Palmenhaine von Yebbi im Tschad; die Quelle des Orida und die Dorfbewohner aus Chifra im Niger, ein Spielcasino an der Küste und ein brasilianisches Café in Ägypten; die Bucht von Marseille und den Hof des Gutes von Garet in Villefranche-sur-Saône. Raymond Depardon lehnt das Schweigen über die Armut ab und stellt die Frage nach seiner Verantwortung als ‘Bilder-Macher’, vom Schmerz zu sprechen.

Raymond Depardon über seinen Film

Wie viele Regisseure und Photographen bemühe ich mich um Genauigkeit. Für mich ist das zur Obsession geworden, ein Bild muß nicht ehrlich sein, aber auf jeden Fall genau. Ich wollte kein roadmovie machen. Die Idee war eher, den Blick auf Afrika zu richten - so genau wie möglich, nicht zu journalistisch und auch nicht aus einem zu geographisch-ethnographischen Blickwinkel. Ich fand das Afrikabild sehr schematisch. Zum einen die Bürgerkriege, die Hungersnot, Aids, Gewalt und der Völkermord. Auf der anderen Seite das komplette Gegenteil: die schönen Massai, die kontrastreichen Landschaften, die ewige Wüste, die Sahara - zu schön, um wahr zu sein. Mein Platz zwischen diesen beiden Extremen: Ich verabschiedete mich vom Journalismus, blieb jedoch bestimmten journalistischen Herangehensweisen treu, ohne aber unter den üblichen Nachteilen leiden zu müssen, wie z.B. nur aufgrund aktueller Ereignisse in die Gebiete zu reisen und nur die Krisenzeiten zu dokumentieren. Mich interessierten die weniger aufregenden Zeiten. Außerdem wollte ich mich der Realität stellen, ohne Team, manchmal mit einer internationalen Organisation, manchmal ganz allein, um einfach nur zuzuhören, vor allem zuzuhören. Die Länge des Films war von vornherein klar, wie auch einige Prinzipien, die mir sehr am Herzen lagen: pünktlich abzuliefern und möglichst wenig zu drehen, um möglichst viel von dem Material für den Film verwenden zu können. Mit einer Videokamera dreht man die ganze Zeit und trifft erst am Ende eine Auswahl. Ich hielt es für besser, die Kamera wenig laufen zu lassen. Ich hatte eine Stunde pro Land. Fünfzehn Länder kommen im Film vor, ich konnte also nur ungefähr fünfzehn Minuten pro Land behalten. ich befand mich auch in diesem Fall außerhalb jeder Norm. Ich wollte so nah wie möglich an meinem ersten Eindruck bleiben. Ich vertraue diesem ersten Eindruck. Danach sieht man gar nichts mehr. Ich wollte herausfinden, wie sich die Dinge entwickelt hatten. Ich war enttäuscht. In Tibesti sind die Menschen ganz auf sich selbst gestellt. Auch dort, wo ich La Captive du désert gedreht habe. Man beruhigt sich, man hätte Zeit mit ihnen verbracht und ihnen Geld gegeben, dann aber wird man sich bewußt, daß das lange vergessen, verschwunden ist. An anderen Orten, die ich nicht kenne, herrscht Geschäftigkeit. Dann komme ich nach Mogadischu und nehme einige etwas persönlichere Themen in Angriff. In jeder Reise steckt eine Entwicklung. Aber ich bin nicht der erste. Der Anfang von Afrique fantôme ist ein bißchen schwerfällig. Und dann beginnt er von sich zu sprechen. Es ist logisch, von sich zu sprechen. Verschiedene Afrikaner haben mir gesagt: In Wirklichkeit sprichst Du nur von Deinem Schmerz. Zweifellos ist mein Schmerz meine Besorgnis um Afrika. Aber ich spreche einige Punkte an, wie die Ethnologie, die wirtschaftliche Unabhängigkeit, Aids. Ich stelle meine Ansichten dar, kann aber keine Antworten geben. Das müssen die afrikanischen Regisseure tun, auch sie müssen vorwärts schreiten. Sie können nicht in ewiger Naivität und Romantik verharren. Wir müssen sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen lassen, man hat ihnen zu viel Unterricht erteilt. Ich bin der Meinung, daß wir unser Afrika-Bild von Grund auf revidieren müssen. Ich habe dort nie gewohnt, ich bin kein Emigrant. Ich nehme die afrikanische Erinnerung nach Paris mit, wie ein Reisender seine Andenken mit nach Hause nimmt. Es ist etwas, was mich in Frage stellt und mich bereichert. Der Kontinent hat mich in Besitz genommen, er hat uns alle in Besitz genommen. Dabei habe ich viele andere Länder kennengelernt: Vietnam, Chile, China. Die ergreifende lyrische Macht Afrikas liegt zweifellos in der Tatsache begründet, daß der Kontinent die Wiege der Menschheit war.

BIO-FILMOGRAPHIE RAYMOND DEPARDON

Geboren am 6. Juli 1942 in Villefranche-sur- Saône. Nach einer Lehre als Photograph arbeitete er weltweit für die Agentur Dalmas in Paris. 1963 drehte er seinen ersten Dokumentarfilm. 1966 gründete er zusammen mit Gilles Caron die Agentur Gamma. Als Sonderkorrespondent des Fernsehens machte er Dokumentarfilme. Ab 1978 arbeitete er für die Photoagentur Magnum. 1981 gründete er die Produktionsfirma Double D Copyright Films. Seit 1969 stellte Depardon in mehreren er den Grand Prix National de la Photographie. Außerdem veröffentlichte er verschiedene Photobücher, u.a.: ‘Chili’ 1974, ‘Tchad’ 1977, ‘Le désert américain’ 1983, ‘Les fiancés de Saigon’ 1986, ‘Depardon/ Cinéma’ 1993, ‘La colline des anges’ 1993, ‘Retur to Vietnam’ 1994, ‘La Ferme du Garet’ 1995, ‘La Porte des larmes’ 1996, ‘En Afrique’ 1996.

Filme:
1963 VENEZUELA
1967 ISRAEL
1968 BIAFRA
1969 JAN PALLACH
1970 TCHAD (1): L’EMBUSCADE
1973 YEMEN
1974 50,82% 1975-76 TCHAD (2) und (3)
1976 TIBESTI TOO 1977 NUMÉROS ZÉRO
1980 REPORTERS DIX MINUTES DE SILENCE POUR JOHN LENNON SAN CLEMENTE
1982 PIPARSOD
1983 FAIT DIVERS
1984-85 LES ANNÉES DÉCLIC EMPTY QUARTERS/ UNE FEMME EN AFRIQUE
1986 NEW YORK, N.Y.
1987 LE PETIT NAVIRE URGENCES
1989 UNE HISTOIRE TRÈS SIMPLE LA CAPTIVE DU DÉSERT
1990 CONTACTS
1991 CARTAGENA
1993 FACE À LA MER
1994 MONTAGE DÉLITS FLAGRANTS
1996 AFRIQUES: COMMENT ÇA VA AVEC LA DOULEUR?
In Vorbereitung: PAROLE D’APPELÉS, USINE, MURIEL LEFERLE

Das Int. Dokumentarfilmfestival München hat dem dokumentarischen Werk Raymond Depardons 1990 eine Hommage gewidmet.
(Katalog des 12. internationalen Dokumentarfilmfestivals)

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