25.07.2013
Cinema Moralia – Folge 67

Wo sind die Whistleblower des deutschen Kinos?

Heinrich George in Das Meer ruft (1933)

Snowden und wir, der vierfache George, das Karma-Konto und die Künst­ler­so­zi­al­kasse– Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 67. Folge

Von Rüdiger Suchsland

»Wenn der Morgen endlich graut hinter dunklen Scheiben/ Und die Männer ohne Braut beiein­ander bleiben/
schmieden sie im Flüs­terton aus Gesprächen Bomben/ Rebellion! Rebellion!! In den Kata­komben.
Und wir woll'n im Sieges­lauf immer memo­rieren: Augen auf, Augen auf! Dann kann nichts passieren.«
Gustav Gründgens in der Rolle des Debureau im Ufa-Film TANZ AUF DEM VULKAN von 1938 (Regie: Hans Steinhoff). Der Lied wurde kurz nach Filmstart zensiert, und erschien weder gedruckt, noch auf Schallplatte).

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War Heinrich George eigent­lich ein wirklich guter Schau­spieler? »Diese Frage zeigt mal wieder«, würde uns vermut­lich sein Sohn Götz anworten, »wie wenig Du von Schau­spie­lerei verstehst«. Trotzdem lassen wir die Frage hier mal stehen. Im Berliner Babylon-Mitte läuft in den nächsten Tagen (bis 4.8.) jeden­falls jetzt eine sehr spannende Retro­spek­tive, mit ganz vielen Heinrich-George-Filmen. Da kann dann jeder selbst sein Urteil fällen. Wir haben den Verdacht: Heinrich George ist, wie so manch' einer aus der angeblich aller­größten Zeit des deutschen Kinos, a bisserl über­schätzt. Allemal nost­al­gisch verklärt. Man sagt eben gern so dahin: »Einer der größten und gleichz­eitig umstrit­tensten Schau­spieler des 20. Jahr­hun­derts«. Das eine bedingt dann das andere.
Ande­rer­seits – es könnte ja sein, dass wir das nur heute nicht mehr so gut verstehen. Gerhart Hauptmann jeden­falls beschrieb Heinrich George als »ein mensch­li­ches und künst­le­ri­sches Urphä­nomen«. Jürgen Fehling lobte: »ein König der Phantasie ... unter seinen Kollegen wie ein alter Stein­adler zwischen Hühnern«.

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Im Programm der Retro findet sich auch folgende Passage: »Mit sofor­tiger Wirkung zieht Romuald Karmakar den Film Der Totmacher von der Kino­aus­wer­tung zurück! Wir Bedauern diesen Schritt. Der Film muss daher ausfallen.« Und wir fragen uns alle – warum um Gottes Willen muss das den sein? Immerhin im Fernsehen haben wir Karmakars Film gerade noch wieder­ge­sehen.

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Alle reden jetzt über George, wir auch. Zunächst über Heinrich: »Heinrich George war der ange­se­henste Schau­spieler im faschis­ti­schen Deutsch­land. Bis 1933 stand George der kommu­nis­ti­schen Partei nahe, hatte näheren Kontakt zu Schrift­stel­lern wie Bert Brecht, Ernst Toller und Johannes Becher. 1933, unmit­telbar nach Hitlers Macht­er­grei­fung, sagte er sich von seinen früheren Überz­eu­gungen los und stellte sich bald dem faschis­ti­schen Regime zur Verfügung. ... Nach der Macht­er­grei­fung des Faschismus hat George eine nach außen hin absolut klar zu erken­nende Wandlung vollzogen und alles getan, um den Faschismus in Künst­ler­kreisen populär zu machen. Goebbels erkannte die Möglich­keit, mit dem poli­ti­schen Umfall Georges den größten Teil der Berliner Künst­ler­schaft, der dem Natio­nal­so­zia­lismus gegenüber abweisend einge­stellt gewesen war, zu sich herüber­zu­ziehen.« – dies war die Wahrheit der UdSSR in Gestalt ihres Majors Pyrin vom NKWD, dessen Report der Verhöre (KGB-Akte Nr. 13 328) erhalten geblieben ist.
Die Charak­te­ri­sie­rung ist tenden­ziös, aber nicht falsch. George hatte sich übelsten Propa­gan­da­werken zur Verfügung gestellt, darunter Hitler­junge Quex, Jud Süß, und Kolberg, Filmen, die die Deutschen zum Angriffs­krieg gegen die Sowjet­union aufhet­zten und zum Durch­halten, als er schon verloren war. Filmen, die Sowjet­sol­daten und Zivi­listen das Leben kosteten.
In Kolberg, urauf­ge­führt 1945, posaunt George: »Und wenn wir uns mit unseren Nägeln in unseren Boden einkrallen, wir lassen uns nicht los. Nee, nee, man muss uns die Hände einzeln abhacken oder uns erschlagen, einen nach dem anderen. Lieber unter Trümmern begraben als kapi­tu­lieren.« – dies nur mal um sich klar zu machen, worüber wir hier reden.

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Selbst­ge­rech­tig­keit ist natürlich leicht. Genauso leicht ist es aber, heutigen Kritikern Selbst­ge­rech­tig­keit vorzu­werfen.

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Das beste, was sich über Heinrich George sagen lässt: Er wollte nur spielen. Dieser Typ Schau­spieler will immer nur spielen. Das mensch­liche Resultat ist ein Oppor­tu­nist, ein Wendehals, ein Fähnchen im Wind. Heinz Georg Schulz, Kapitäns­sohn aus Stettin und Kriegs­frei­wil­liger im Ersten Weltkrieg. Er machte in Links, als es »in« war, und in Rechts, als es nötig wurde. Der KPD hat er nie angehört. Er hat im Dritten Reich ohne Frage Kollegen gerettet und geholfen, darunter »auch ein paar Juden«. Das hat aber auch Hermann Göring.
Vor 1933 trat George in Fabriken auf, als sich dann der Zeitgeist änderte, im Sport­pa­last. Er hatte keine poli­ti­sche Agenda außer der eigenen Karriere.

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Mir hat der Film gut gefallen. Im Rahmen des für ein Prime-Time-Werk Möglichen ist er sehr anständig geworden. Joachim Langs Film trifft gut die Mitte: Es ist keine Weißwä­scherei Georges, aber auch keine Anklage. Lang zeigt den jovialen Oppor­tu­nismus.
Ein paar Fakten haben mir aber gefehlt: Dass Heinrich George ein Trinker war, dass er seine Frau mit so ziemlich jeder Schau­spie­ler­kol­legin betrogen hat, hätte mal vorkommen dürfen. Was Jud Süß für ein Film war, und welche Rolle George darin spielte, hätte vorkommen müssen. Da zieht sich George mit einem kurzen Gespräch zwischen George und Goebbels aus der Affaire, in der der NS-Propa­gan­da­mi­nister dem Star­schau­spieler vorwirft, er habe nur »Dienst nach Vorschrift« gemacht. Eine Vernied­li­chung der Fakten. Wer Jud Süß einmal gesehen hat, weiß, dass Georges Anteil darin weit über »Dienst nach Vorschrift« hinaus­geht. Seine Figur spielt er glänzend, und der Herzog von Würt­tem­berg ist – als Urbild eines deka­denten Ancien Regime . ein entschei­dender Baustein in der Propa­gan­da­me­chanik des Films.
Hinzu kommt: Die Formu­lie­rung »Dienst nach Vorschrift« stammt nicht von Goebbels, sondern von Veit Harlan (aus einem Brief) und hat etwas mit dem Streit zwischen zwei Alpha-Regi­me­dienern zu tun.

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Was aber ist vom Sohn zu halten, der den Vater spielt, und zugleich als er selbst in den Doku-Teilen auftritt. Natürlich ist da ein Narzissmus drin in der Verschmel­zung mit dem Vater. Der Amalgam-Charakter einer Doku­fic­tion, die aufge­laden ist von der Liebe des Sohnes. Natürlich ist das eine große Show des Sohnes, natürlich ist es Event-TV, das aufs große Publikum zielt.
Ob sich Götz George mit diesem Auftritt aber wirklich einen Gefallen getan hat? Nur: Wer hätte ihn sonst spielen sollen? Wir schauen gewis­ser­maßen Götz George bei einer öffent­li­chen Selbst­the­rapie zu. Und so hat es seinen guten Grund, dass der Film George heißt, nicht Heinrich George. Er lässt sich in beide Rich­tungen lesen, auch als Geschichte des Sohnes.
Götz George ist im Verhältnis zu seinem Vater jeden­falls zu pathe­tisch. Bis heute, das ist offen­sicht­lich auch beim Ansehen von Joachim Langs Film, hat er sich nicht vom Vater befreien können. Das Kapitel ist unab­ge­schlossen. Viel­leicht kann man das verstehen, wenn man sich vorstellt, dass Götz sechs Jahre alt war, als der Vater starb, dass dies ein Übervater gewesen war, der seinen Sohn sogar nach einer Lieb­lings­rolle benannte, dass dem Sohn – erst recht seit er Schau­spieler wurde – immer alle nur erzählt haben, wie groß der Vater gewesen ist, dass die Mutter Berta Drews sich in den vier Jahrzehnten, die sie ihren Mann überlebte, nie von diesem lösen konnte Nicht leicht für den Sohn, es gibt also gute gründe für die Vater­fi­xie­rung. Fest­stellen muss man sie aber trotzdem.

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Im Juli 1996 kam es im ZDF zu einem unbe­merkten Skandal: Für einen für den September 1996 geplanten Themen-Abend, bei dem unter anderem der Vorbe­halts­film Kolberg laufen soll, hat das ZDF zwei je halb­stün­dige Doku­men­ta­tionen des erfah­renen Film­kri­ti­kers Peter W. Jansen bestellt: »Kolberg als Propa­gan­da­waffe«, und ein Porträt »Heinrich George – eine deutsche Karriere«. Beide Filme wurden am 25. Juli 1996 vom ZDF-Redakteur Hans Peter Kochen­rath, abge­nommen. Einen Tag später kam ein Brief: Jansen wurde aus beiden Produk­tionen entlassen. Zwei neue Regis­seure drehten zwei neue Doku­men­ta­tionen.
Der Einwand kam später: Jansen hätte George als »Mann ohne künst­le­ri­sche Überz­eu­gung, ohne künst­le­ri­sche Maßstäbe, ohne künst­le­ri­sches Gewissen” gezeigt, obwohl der doch »mit einfühl­samer Stimme zarteste Lyrik rezi­tieren« konnte. Zudem: »Brecht ist ein schlechter Kronzeuge, den man in diesem Fall meiden sollte.« Jansen aus einem offenen Brief Brechts von 1933 zitiert: : »Wir ermahnen Sie, an den Wandel der Zeiten zu denken, Sie und Ihres­glei­chen, die so rasch bereit sind, mitzu­ma­chen, allzu fest vertrauend auf den ewigen Bestand der Barbarei und die Unbe­sieg­bar­keit der Schlächter.«

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Quizfrage: Wie hoch war der Anteil der Degeto bei Cloud Atlas? Na? Cloud Atlas hat wie bei anderer Gele­gen­heit gesagt, etwa 100 Millionen gekostet. Auflösung folgt, aber erst weiter unten.

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Zunächst einmal eine Über­le­gung: Es ist ja gerade schwer in Mode, sich über die USA aufzu­regen und Edward Snowden toll zu finden, den NSA-»whist­leb­lower«. Verräter oder Held ist da eigent­lich nicht mehr die Frage, es ist klar, dass er ein Held ist. Finde ich übrigens auch, aller­dings bin ich mir nicht so sicher, ob er nicht deshalb trotzdem ein Verräter bleibt. Das Wesen des Whist­leb­lo­wing ist ja eher, den Verrat hoffähig zu machen und uns moralisch ein bisschen beschei­dener.
Aber von derlei Grund­sät­z­li­chem mal abgesehen: Warum gibt es eigent­lich in Deutsch­land so wenig Whist­leb­lower? Wo den doch alle so gut finden? Im Film­be­reich könnten wir mal anfangen. Man könnte erzählen, was in den Sendern wirklich los ist, wie Förde­r­ent­schei­dungen ablaufen, was Produ­z­enten über Redak­teure, Regis­seure über Produ­z­enten und Redak­teure über ihre Inten­danten wirklich denken. Wer mit wem Golf spielt, oder Crocket, und dabei dann den anderen gewinnen lässt, um danach dann irgend­eine ausste­hende Förderung doch noch einzu­tüten.
Wir hier bei artechock stehen allen zur Verfügung, die ihr schlechtes Gewissen erleich­tern möchten. Anonym oder mit vollem Namen, wie es beliebt.
Einst­weilen müssen wir halt impro­vi­sieren.

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»Ich hasse Frau­en­fuß­ball« – war natürlich eine Frau, die das gesagt hat, sonst würden wirs hier ja nicht zitieren. Eine durchaus sportaf­fine, Und unver­se­hens sah ich mich, neulich in Köln, in der Position eines Vertei­di­gers des Frau­en­fuß­balls. Aber ich war schnell auf verlo­renem Posten. Denn natürlich guck ich mir Frau­en­fuß­ball nur an, wenn ich irgend­wann im Sommer Fußball­ent­zugs­er­schei­nungen habe, natürlich spielen die bei der jetzigen Frau­en­fuß­ball-EM auf erbärm­li­chen Niveau, wenn man sie mit den Männern vergleicht. Merkt jeder, auch der letzte Ignorant, das zeigt sich ja bereits am verdrucksten Umgang des deutschen Fern­se­hens mit der EM. Denn ARD und ZDF über­tragen nur die deutschen Spiele.
Und Liz, mit der ich darüber sprach, präzi­sierte klug: Sie habe ja nichts im Prinzip dagegen, ihr sei's nur so peinlich, wie schlecht die sind. Und dass man das nicht laut sagen darf. Stimmt leider alles. Ich halte trotzdem dagegen, und plötzlich reden wir darüber, dass es in anderen Sport­arten für Frauen und Männer verschie­dene Regeln gibt – zum Beispiel beim Tennis. Weil Frauen keine fünf Sätze durch­halten würden, und weil bei ihnen der Aufschlag eine viel geringere Rolle spielt. Ich frage, ob man nicht für Frauen verän­derte Regeln einführen könnte? Nur 2x 30 oder höchstens 40 Minuten, und größere Tore zum Beispiel? Das sollte sich mal einer trauen, öffent­lich zu fordern, meint Liz, Also bitte – ist hiermit geschehen.

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Sport ist meiner Ansicht sowieso eine der größten Heraus­for­de­rungen fürs Kino. Denn erstens ist die visuelle Aufbe­rei­tung hoch­klassig und inter­es­sant, zweitens sind einfach die Spiele viel span­nender, als jeder Film. Nehmen wir mal Tennis, besonders übrigens Damen­tennis. Während das Herren­tennis heute nur noch Kraft­sport, Ernäh­rungs­wis­sen­schaft und Aufschlag­trai­ning ist – was man daran sieht, dass die Top-Spieler heute viel domi­nanter sind, als noch vor zehn oder 20 Jahren, dass Federer, Sampras und Nadal die Top-Rekorde der Grand-Slam-Siege halten, drei Spieler also, die wir alle kennen, die zum Teil noch aktiv sind.
Und ich kann jedem raten, sich mal auf You-tube ein altes Match von Borg, McEnroe oder Conners anzu­gu­cken – das ist span­nender als jeder »Tatort«!
Davon abgesehen: Dass der beste Film beim Ophüls-Festival in Saar­brü­cken in den letzten Jahren immer irgendein Austra­lian-Open-Spiel von Maria Sharapowa gewesen ist, haben wir schon oft erzählt, wenn auch noch nie geschrieben. Die Spiele laufen immer im Hotel­fern­sehen, wenn man gerade leicht ange­schi­ckert zwischen 2 und 4 uhr morgens aus der »Garage« kommt.

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Zum Thema passt noch eine Nachricht, die vor 10 Tagen publik wurde: Jimmy Connors wird neuer Trainer von Maria Sharapowa. Da haben sich ja zwei gefunden!

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Vor einiger Zeit haben wir hier vom Festsaal Kreuzberg im Berlin erzählt – das war der Ort, wo ich mir erstmals im Leben einen Boxkampf angeguckt hatte, in echt. Und wider Erwarten sehr angetan war vom Spektakel, das mich irgendwie an etwas erinnerte, was ich nie erlebt habe, an die Weimarer Republik, so wie ich sie mir ungefähr vorstelle. Am Woche­n­ende ist der Festsaal Kreuzberg abge­brannt. Großes Spektakel, ganz Kreuzberg stank, großer Schock in der Musik­szene, die jetzt einen ihrer guten – und raren – Konz­ertsäle verloren hat.
Und dann erreichte uns von der tollen Elisa, die Boxkämpfe liebt, Italie­nerin und eine sehr inter­es­sante, viel­ver­spre­chende Regis­seurin ist, und ihr Geld bisher unter anderem beim Festsaal verdiente, folgende Mail:
Jungs und Mädels! Ihr hat alle bestimmt schon gehört und gelesen, was mit Festsaal Kreuzberg am Samstag abend passiert ist. Es ist sehr sehr traurig und ich kann es selber noch nicht wirklich wahr nehmen. Ich war heute vor Ort und ich muss sagen, es tut unglaub­lich weh zu sehen, was da geblieben ist. Aber das war erstmal mit unnötige Senti­men­ta­lität. Nicht alles ist verloren, die Jungs von Festsaal sind Löwen und es wird, wie immer, weiter gekämpft.
Festsaal Kreuzberg wird bald eine Spen­den­kam­pagne anfangen und dafür brauchen sie eine kleine image-video. Da wir alle Filmleute sind, wir können jetzt sie ganz konkret helfen.
Um das video zu drehen, brauchen wir im grunde noch alles: Kameraman und equipment, ton, cutter, post produc­tion faci­li­ties und so weiter.
Wie ihr euch vorstellen kann, budget ist in wahre sinne des wort: 0 euro (bzw minus ganz viele euro...). Also kein geld für gage, verleih, benzin oder auch nur schrippe. Es ist hart und nichts neues in Berlin, aber es ist so.
Also, wir brauchen eure hilfe um das video so schnell wie möglich zu drehen. Wer lust, zeit, oder das bedürfnis hat, seine karma konto aufzu­laden, bitte sich bei mir melden. Jede hilfe ist wilkommen und bitte diese email weiter­leiten!
Bis ganz bald
Elisa
ps: wer mithelfen werde, bekommt die möglich­keit mitzu­wirken, wo und wie viele toiletten in die neue festsaal kreuzberg sein sollten. Eine ganz heisse thema gerade auf facebook....

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Also los: Karma Konto aufladen, uns mailen, wir leiten weiter.

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Jenseits vom Karma-Konto half bisher die Künst­ler­so­zi­al­kasse. Der Verband der Deutschen Film­kritik macht nun auf Folgendes aufmerksam: »Seit 2007 hat die Deutsche Renten­ver­si­che­rung (DRV) die Aufgabe, die Zahlung der Künst­ler­so­zi­al­ab­gaben zu über­wa­chen. Wegen massiver Ausfälle bei den Zahlungen für die Künst­ler­so­zi­al­kasse (KSK) forderte noch im April Arbeits­mi­nis­terin Ursula von der Leyen eine „verschärfte Firmen­prü­fung“ der Unter­nehmen durch die DRV, was diese kriti­sierte. Mitt­ler­weile will die DRV bzw. die Arbeit­ge­ber­ver­bände innerhalb der DRV für die Prüf­kosten nicht mehr aufkommen. Ein Geset­z­es­vor­haben, das die DRV zur Prüfung verpflichten sollte, wurde im letzten Moment gekippt.
Aufgrund der Nega­tiv­ent­wick­lungen der Abgaben für die KSK vor der Novelle zum Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz 2007 steht zu befürchten, dass bei einer frei­wil­ligen Arbeit­geber-Abgabe der KSK die finan­zi­elle Grundlage verloren geht und sie in ihrer Existenz gefährdet wird. Auch werden immer mehr Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse in freie Arbeits­ver­hält­nisse aufgelöst. Die Möglich­keit, die Zahlung der Künst­ler­so­zi­al­ab­gaben zu umgehen, würde für die Arbeit­geber weiteres Einspa­rungs­po­ten­tial bedeuten. Eine geset­z­liche Verpflich­tung zur Abga­ben­zah­lung erscheint daher dringlich, um die Arbeits- und Versi­che­rungs­be­din­gungen der selbstän­digen Jour­na­listen zumindest auf dem jetzigen Stand zu halten.
Eine Petition möchte nun eine Prüf­pflicht der Abgaben auf Arbeit­ge­ber­seite für die KSK erwirken. Im Interesse aller freien Jour­na­listen und Künstler unter­s­tützen wir die Petition und rufen Sie, liebe Kolle­ginnen und Kollegen, zur Unterz­eich­nung auf.
Sie finden die Petition 43188 „Sozi­al­ver­si­che­rung – Prüfung der Abga­be­pflicht zur Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung durch Renten­ver­si­che­rung vom 10.06.2013“ unter folgendem Inter­net­link:
https://epeti­tionen.bundestag.de/peti­tionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.nc.html
Sie müssen sich dort mit Namen und Adresse unter Wahrung des Daten­schutzes vorab regis­trieren, ein Mini­mal­auf­wand, den die Sache wert ist. Die Mitz­eich­nungs­frist endet am 06.08., das Quorum sind 50.000 Unter­schriften, bislang haben über 30.000 unterz­eichnet

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Die Antwort: 10 Millionen. Und das war zu einem Zeitpunkt, als die Degeto schon einen Zahlungs­stop verkündet hatte.

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Nachtrag: Ein paar Stunden nach dieser Veröf­fent­li­chung bekam ich eine e-mail von Stefan Arndt, dem Geschäfts­führer von »X-Filme« und Produ­z­enten von Cloud Atlas. Wir zitieren voll­s­tändig im Wortlaut: »Mit Deiner Enthül­lung liegst Du komplett falsch, ziehe eine Mio. ab und teile durch 2, dann triffst Du die Whist­leb­lower-Wahrheit genau, frag doch nach, LG XXXX«
Wir haben keinen Anlaß an dieser Aussage Stefan Arndts zu zweifeln! Aller­dings halten wir auch unsere gegen­tei­lige Quelle für sehr zuver­lässig – es handelt sich gleich­falls um jemand, der es wissen muss. Darum können wir hier nichts anderes fest­stellen, als das in diesem Fall Aussage gegen Aussage steht. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Und ein Grund mehr dafür, überhaupt sämtliche Bereiche der Film­fi­nan­zie­rung offen zu legen, und leicht nach­prüfbar zu machen – dann gibt es keinen Spielraum mehr für Gerüchte.

(To be continued)

Unter dem Titel »Cinema Moralia« sind hier in loser Folge Notizen zum Kino zu finden, aktuelle Beob­ach­tungen, Kurzkri­tiken, Klatsch und Film­po­litik, sowie Hinweise. Eine Art Tagebuch eines Kino­ge­hers.

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