Die letzten Tage

The Last Days

USA 1998 · 87 Minuten · FSK: ab 12
Regie: James Moll
Drehbuch:
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Harris Done
Darsteller: Bill Basch, Alice Lok Cahana, Warren Dunn, Irene Zisblatt u.a.

Verlorene Welt

Die Erin­ne­rung an einen Badeanzug läßt die alte Dame in Tränen ausbre­chen. Bisher hat sie ruhig, ungerührt fast von einer verlo­renen Welt erzählt, dem Leben unga­ri­scher Juden vor dem Holocaust. Doch das Klei­dungs­stück, dass ihr der – später ermordete – Vater geschenkt hatte, und das den glück­li­chen Sommer der 18jährigen vor der Depor­ta­tion reprä­sen­tiert, läßt, auf einer vergilbten Foto­grafie zu sehen, den Damm der Selbst­dis­zi­plin brechen.

James Moll's Doku­men­ta­tion The Last Days war bereits im vergan­genen Jahr auf der Berlinale zu sehen. In konziser Form schildert es am Beispiel der Lebens­ge­schichten von fünf Ameri­ka­nern ungarisch-jüdischer Herkunft das Schicksal der ganzen Bevöl­ke­rungs­gruppe und den Weg in die Gaskam­mern von Ausschwitz. Moll, dessen Projekt in Zusam­men­ar­beit mit Steven Spiel­bergs Shoah-Foun­da­tion entstand, gelingt es, die schwiergste Aufgabe zu lösen: Wie erzählt man die im Prinzip bis in ihre immer wieder­keh­renden Erzähls­te­reo­typen bekannte Geschichte in einer Form, die den Zuschauer packt und ihn Neues erfahren, auch erfühlen läßt?

Dabei ist das Erzähl­muster keines­wegs neu. Inter­views stehen im Wech­sel­spiel mit Doku­men­tar­aus­schnitten. Später reisen die fünf in ihre Heimat zurück, von der Kamera begleitet. Bewußt herge­stellte Gefühls­si­tua­tionen also, und histo­ri­sche Bilder, die weniger die geschil­derten Fakten illus­trieren, als reprä­sen­tieren – zumeist fehlen natur­gemäß Aufnahmen die exakt das zeigen, wovon erzählt wird.
Die Drama­turgie hat Vor- und Nachteile: Schnell ist der Wechsel zwischen den Szenen, keine Ruhe, kaum Inne­halten helfen den Zuschauern Distanz zum Geschehen zu wahren. Indem man das Publikum so – viel­leicht über Gebühr – schont, gewinnt man dem Thema zugleich breitere Resonanz.
Auch mit dem Happy-End am Ende werden nicht alle glücklich sein: Arg harmo­nisch sieht man die Über­le­benden im Kreis von Kindern und Enkeln: Die Nazis konnten die jüdische Tradition nicht zerstören, will das sagen.
Berech­tigter ist hingegen der ameri­ka­ni­sche Stolz: In den letzten Bildern sieht man die US-Soldaten, die die Lager befreiten.

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