Fetih 1453

Türkei 2010 · 167 min. · FSK: ab 16
Regie: Faruk Aksoy
Drehbuch:
Kamera: Hasan Gergin
Darsteller: Devrim Evin, Ibrahim Çelikkol, Dilek Serbest, Cengiz Coskun, Erden Alkan u.a.
Anti-Propaganda als Propaganda

Der Luke Skywalker des Islam

Lange ist kein Kostüm­film mehr derart Maske von Gegen­wär­tigem gewesen: Die Eroberung von Konstan­ti­nopel – im Abendland ist eher vom »Fall von Konstan­ti­nopel« die Rede – durch osma­ni­sche Truppen unter liegt zwar schon eine ganze Weile, genau gesagt 559 Jahre zurück. Doch eigent­lich geht es hier nicht um exakte Darstel­lungen histo­ri­scher Vorgänge, eigent­lich schlägt Faruk Aksoys so saftiger wie reak­ti­onärer Kostüm­schinken die aktuellen innen­po­li­ti­schen Schlachten – und wird dadurch zum Abbild der kultu­rellen Verwer­fungen der türki­schen Gegen­warts­ge­sell­schaft.

Es beginnt in Medina, im Jahr 627. Der isla­mi­sche Reli­gi­ons­gründer Mohammed ist aus Mekka ausge­wan­dert, und sammelt seine Anhänger in seinem neuen Sitz. Bedeu­tungs­schwanger murmelt er – dem isla­mi­schen Abbil­dungs­verbot gemäß für uns so unsichtbar wie einst in Hollywood der US-Präsident – eine seiner Hadithen (i.e. Prophen­ten­worte): »Wahr­haftig, ihr werdet Konstan­ti­nopel erobern! Welch wunder­barer Führer wird euch führen, und welch wunder­bare Armee wird das sein!« Die Hofschranzen um ihn begreifen sofort: »Mit diesen Worten haben sie uns den Weg zum Heiligen Krieg offen­ge­legt, mein Prophet.« Und laut rufend: »Unser Prophet hat verkündet: Eines Tages wird Konstan­ti­nopel befreit.« So weit die Expo­si­tion.

Ganz bleibt der religiöse Elan der Jünger nicht erhalten, es dauert noch das Weilchen von 826 Jahren, bis die Prophe­zei­hung in Erfüllung geht – also noch 267 Jahre länger, als seitdem vergangen sind. Aber vor Allah sind 1000 Jahre wie ein Tag und für diesen Film und seine Macher sieht es nicht wirklich anders aus. Im Steilflug pflügt ein mosle­mi­scher Falke durch die Jahr­hun­derte, guckt schlau und ein bisschen von oben herab, wie Falken das im Kino halt tun, auf das Gewusel der Menschen da unten. Dort sieht man wieder eines der üblichen Wimmel­bild­chen digital choreo­gra­phierter Geschichte – und Schwups!, ein Sturzflug im Stuka-Stil und wir sind nach nur fünf der insgesamt 160 Minuten im Hier und Jetzt des Jahres 2012, äh, sorry: des Jahres 1432. Am 29.3.1432 wird in Edirne nämlich der vierte Sohn Murads II. geboren, der später – bereits kurz für zwei Jahre, dann nah einem Inter­re­gnum ab 1451 als Mehmed II. [http://de.wikipedia.org/wiki/Mehmed_II.] auf den Thron des Osma­ni­schen Reiches kam.

Jetzt wird alles, aus Gottes­per­spek­tive betrachtet, langsam und zäh, für die Menschen­augen im Kino ist es immer noch hektisch und flink: Mehmed kommt auf den Thron, es gibt Zweifler an seiner Eignung zur Macht, es gibt zwie­lich­tige Berater, ein schmach­tendes Weib, einen Sohn, der den Vater bewundert, und darunter leidet das der nie Zeit hat. Und es gibt Mehmed selbst: Ein Führer, zu Großem geboren, mit Weis­sa­gungen und Auspizien versehen, die ihm Außer­ge­wöhn­li­ches verheißen. Er selbst überzeugt, dass er tun muss, was er tun muss, woher die Über­zeu­gung kommt, erzählt uns der Film so wenig, wie er Zweifel zeigt. Der Mann hat auch keine. Er ist insofern über­mensch­lich. Er redet auch mit keinem, schaut stur und verkniffen zu Boden oder auf ein Modell der Metropole Konstan­ti­nopel, die er, wie wir wissen, erobern will und, wie wir auch wissen, erobern wird. Ein Nerd. Der Film hat überhaupt keine Argumente, sondern immer nur Esoterik, wenn es darum geht, Hand­lungen zu moti­vieren: »Es ist wie es ist. Es ist halt so.« Im Traum begegnet er dann auch: Osman redet mit ihm I., jenem mittel­al­ter­li­chen Gründer der Osma­ni­schen Dynastie. Der redet mit ihm, sagt auch noch mal, wo es lang geht, und der junge Herrscher folgt. Ein Mann mit Mission. Ein Luke Skywalker des Islam, ohne Fehl und Tadel, insofern überaus lang­weilig – der Kino­zu­schauer, man weiß das, will lieber wie schon Prin­zessin Leia einen hedo­nis­ti­schen Spaß­ma­cher und sauf­lus­tigen Hurenbock wie Han Solo. Es gibt hier auch keinen Obi Wan Kenobi, sondern nur einen toten Vater.

Es gibt dafür etwas sehr typisch Türki­sches in diesem Film: Immer wieder kreisen türkische Filme – darin den ameri­ka­ni­schen nicht unähnlich – um väter­ge­störte türkische Männer­bu­berl, die irgendwie verkrampft unter Druck stehen und etwas machen müssen, was der Papa für sie entschieden hat, oder nicht geschafft hat, oder ihnen auftrug. Und die klugen Christen, Darth Vader in Rom und das Haupt­quar­tier der impe­rialen Flotte erkennen es natürlich als erstes: »Er will vollenden, was sein Vater nicht schaffte. Sein nächstes Ziel wird ohne Frage der Zug gegen Rom.«

Mehmed II. sagt im Fortgang des Films, der sehr sehr lange braucht, bis wir endlich bei der Bela­ge­rung Konstan­ti­no­pels ange­kommen sind, Sätze wie: »Es gibt keine wich­ti­gere Aufgabe als Konstan­ti­nopel zu erobern – aber wir brauchen Geduld.« Oder: »Wenn die Zeit kommt, wird das Volk verstehen.« Er will nämlich ein Reich schaffen, die meisten Osmanen aber haben keine Lust auf Feldzug. Und er sagt Sätze wie: »Geschichte schreiben ist keine Aufgabe für Feiglinge.«

Weil ein solcher Held auch fürs türkische Publikum auf Dauer schwer erträg­lich ist, bekommt der Film unterhalb solcher ergabenen staats­tra­genden Passagen eine fett aufge­tra­gene Sopap-Ebene. Da ist zum Beispiel Era eine schöne und gebildete Türkin, die sich aus irgend­einem Grund in Genua aufhält, und dort andauernd von Giovanni Gius­ti­niani Longo ange­bag­gert wird. Erfolglos, klar, denn nur ein keusches Mädel ist ein gutes Mädel. Sie kommt deswegen alsbald heim ins Türken­reich, trifft dort auf Ulubatli Hasan, einen edlen Helden, der am ehesten der Han Solo des Films ist, und kehrt zu ihrem Ziehvater Urban zurück, jenen christ­li­chen Kano­nen­meister, der dann irgend­wann die Kanone gießt, mit der die Mauern Konstan­ti­no­pels fallen. Und weil sie mitkämpfen will, tarnt sie sich halt als Mann. Die christ­li­chen Kreuz­ritter dagegen sind anständig böse, sie morden Frauen und Kinder oder versklaven sie wenigs­tens. Man erlebt auch Orthodoxe als Feinde »der Latiner«, und sieht die völlig ange­mes­sene Verfol­gung eines Rasputin. Doch spürbar ist hier eine klamm­heim­liche Sympathie des Films mit den Ortho­doxen. Denn die sind ja immerhin Funda­men­ta­listen.
Derweil hangelt sich der Film durch die Jahre 1451 und 1452, hakt histo­ri­sche Fußnoten ab, und bringt einem auch etwas bei: So sieht man, wie im April 1452 Mauern festungs­taug­lich gemacht wurden: Mit einem Leim, in den unter anderem Eiweiß gerührt wurde. Es gibt auch – huhu Guido! – römische Dekadenz, wenn der byzan­ti­ni­sche Kaiser Konstantin XI. mit mehreren halb­nackten Bikini-Schön­heiten in Rosen­wasser planscht.
Vieles ist Unsinn. Doch die natio­nal­re­li­giösen türki­schen Histo­riker geben aus poli­ti­schen Gründen Bestnoten, obwohl sie wissen, dass der Film immense Fehler enthält. Keine dreitägige Plün­de­rung Konstan­ti­no­pels durch das osma­ni­sche Heer, dafür eine anstän­dige Beiset­zung des toten Kaisers nach den Regeln »seiner Religion«.

»Ben-Hur« unter umge­kehrten Vorzei­chen

Immer wieder ist FETIH 1453 hier auch pathe­ti­sches, gutes Kino, etwas billig gemacht, aber so ist es halt, wenn man keine Erfahrung hat und nur 17 Millionen statt 170. Die digitalen Effekte sind trotzdem ok, und so sieht man einen satten Schinken, der zwischen­durch richtig saftig wird, wenn Blut fließt, und wenn Mehmed schließ­lich seine Rüstung anlegt, derweil sein Sohn aner­ken­nend, bebend zusieht, und die Frau erregt. Voll über­trieben ist alles.

Dann wird es ernst: Die Christen heißen in den Dialogen nur noch »Die Ungläu­bigen« und vermut­lich meint der Film da gleich ein paar Einhei­mi­sche mit. Sie brüllen »Nieder mit den Türken!«, »Tod den Türken!«, und »Gott mit uns! Nieder mit den Türken!!« Und ein paar christ­liche Kriegs­greuel müssen auch sein, wenn zum Beispiel Kriegs­ge­fan­gene getötet werden. Die Türken dagegen sind energisch und rufen »Zu Befehl, mein Sultan!« oder »Wir folgen der Lehre des Korans.«

So muss es klappen, erst recht, als der erste Angriff scheitert, und die Minen­ar­beiter, die einen Tunnel, unter den Stadt­mauern buddeln, den Opfertod suchen, indem sie sich selbst in die Luft sprengen: »Allah u Akhbar! Wir werden nicht vergebens sterben.«... Hm, irgendwie doch. Denn auch die Explosion bringt außer Blut im Boden – gutes Bild – nichts ein.

Es wird nicht besser: Irgend­wann fällt eine Fahne in den Schmutz. Ooooh macht das Kino und der Film. Kitsch­musik – die stammt übrigens wie die Kanone, die die Schlacht entscheidet von einem christ­li­chen Über­läufer, einem Jüngel­chen namens Benjamin Wallfisch – und dann müssen ein paar Türken sterben für die Fahne. »Wir vergessen unsere Märtyrer niemals!« ruft einer – da darf man dann tatsäch­lich mal an Nazikino denken. Ansonsten genügt für die zweite Hälfte die Beschrei­bung »reak­ti­onärer Scheiß«, für die erste die: »Kostüm­schinken im Main­stream­stil.«

Trotzdem ist die westliche Aufregung nicht zu verstehen. »Lange hat man keinen Film mehr gesehen, der Töten und Sterben so inbrünstig verherr­licht.« schreibt der sonst sehr geschätzte Micha Brumlik in der taz – da hat er wohl »300« verpasst, den »Untergang« nicht verstanden, und auch »Herr der Ringe« nicht gesehen, und in einen Clint-Eastwood-Kriegs­film oder in »Troja« schickt die taz Redaktion halt keinen Poli­tik­wis­sen­schaftler.

Genau betrachtet ist Fetih 1453 trotz drama­tur­gi­scher Paral­lelen nicht wie STAR WARS. Er ist eher wie BEN-HUR, nur halt unter umge­kehrten Vorzei­chen. Auch der war ameri­ka­ni­sche kultur­im­pe­ria­lis­ti­sche Propa­ganda. FETIH 1453 ist demge­genüber einfach Anti-Propa­ganda. Hier sind die Christen die Bösen, die Moslems die Guten. So what? Es tut jedem west­li­chen Zuschauer gut, diesen Film zu sehen, damit er aus der eigenen Irri­ta­tion endlich lernt, auch von Hollywood ein wenig irritiert zu sein. Globa­li­sie­rung bedeutet auch, dass die Christen im Kino nicht immer milde, und dass die Westler nicht immer die Guten sind.

»Fetih Beyoglu«

Fetih 1453 ist aus ganz anderen Gründen unsym­pa­thisch: Vergleicht man ihn mit einem 60-Jahre-alten Film zum gleichen Thema, Aydin Arakons (1918 bis 1982) ISTANBUL'UN FETHI von 1951 erkennt man, dass die Vorzei­chen verändert wurden. Der neue Film ist selbst eine scharfe Waffe in einem Kultur­kampf. Beim gerade beendeten Film­fes­tival in Istanbul, wo man viele Filme sehen konnte, die die moderne, urbane, liberale Türkei reprä­sen­tieren, blickten die türki­schen Kritiker und Filme­ma­cher betreten zu Boden, wenn man sie auf FETIH 1453 ansprach. Mit gutem Grund ist er liberalen und gebil­deten Türken pein­li­cher, als er es uns sein muss: Der Film wird von der regie­renden isla­mis­ti­schen »Partei für Gerech­tig­keit und Entwick­lung« (AKP) gefördert, er wurde von der AKP regierten Kommune Groß-Istanbul gesponsort. Und er bedient die Agenda des Neo-Osma­nismus, die nicht so sehr eine außen­po­li­ti­sche ist, sondern sich nach innen richtet. Ihr Ziel ist eine konser­va­tive Revo­lu­tion gegen die Republik, die laizis­tisch und rational von Mustafa Kemal Atatürk begründet wurde.

Zum Abschluss des Festival protes­tierten sie wieder: Eine Gruppe von wenigen hundert Leuten, die vor allem aus Studenten und jungem Bildungs­bür­gertum besteht. Seit zwei Jahren treffen sie sich regel­mäßig und marschieren dann mit Trans­pa­renten die Istiklal Caddesi hinauf, die von den Einhei­mi­schen nur »Boulevard« genannt wird, eine der präch­tigsten Einkaufs­straßen von Istanbul, unver­kennbar beein­flusst vom Vorbild Paris. Der Zug endet in einer kleinen Seiten­straße direkt vor dem »Emek Sinemasi« – dies ist der Name des schönsten Kinos der Stadt. 1920 gebaut, ist das Emek einer der letzten Tempel aus der großen Zeit des Kinos. Bis vor drei Jahren war es das Herz des Inter­na­tio­nalen Film­fes­ti­vals das im mitt­ler­weile 31. Jahr jeden April in Istanbul statt­findet. Nun steht es leer, nicht, weil es etwa schlecht besucht wäre, sondern weil ein Investor den ganzen Block gekauft und weit­ge­hend abge­rissen hat. Gebaut wurde eine riesige Shopping-Mall mit Fassade im pseu­do­klas­si­schen Zucker­bä­cker­stil und einem riesigen dreis­tö­ckigen Saturn-Markt im Inneren. Nur das Emek steht noch wegen der vielen Proteste, auch dies will der Investor entkernen und in ein modisches Schach­tel­kinos umwandeln. Mitt­ler­weile ist das Emek zum Symbol geworden, für die Verän­de­rungen, die die Türkei und besonders Istanbul zur Zeit erlebt: Wolken­kratzer schießen wie Pilze aus dem Boden, die Stadt­be­völ­ke­rung (derzeit ca.15 Millionen), soll sich in den nächsten 20 Jahren verdop­peln, die Zahl der Autos gar vervier­fa­chen. Noch stärker vergrößert sich die Zahl der Shopping-Malls. Kleine Läden werden verdrängt, gewach­sene Viertel zunehmend zerstört. Und auf dem Boulevard, dem tradi­tio­nellen Woche­n­end­ein­kaufs­ziel für Gene­ra­tionen von Istan­bu­lern schließen die alten Geschäfte zugunsten globaler Label­shops von »Nike« bis »Nordsee«. Es klingt nur wie ein schlechter Witz, dass parallel zum Film­fes­tival auch ein vier­wöchiges »Shopping-Festival« stattfand, das ebenfalls vom Kultur­mi­nis­te­rium (!) gefördert wird.
Das Plakat der dies­jäh­rigen Demons­tra­tion ironi­sierte das Film­plakat von Fetih 1453: Erdigan war darauf zu sehen, der Bürger­meister, und einige Inves­to­ren­köpfe: »Fetih Beyoglu« stand darüber: »Die Eroberung des Stadt­teils Beyoglu«.

Rein­heits­ideo­logie, Tugend­terror und die Agenda einer Konser­va­tiven Revo­lu­tion

Gleich ein halbes Dutzend neuer türki­scher Filme nimmt solche Entwick­lungen direkt in den Blick. Ecumeno­polis: City Without Limits heißt Imre Azem beein­dru­ckender Doku­men­tar­film – nächste Woche in Berlin bei den türki­schen Filmtagen zu sehen. Der Regisseur erzählt die Geschichte der zuneh­menden Zers­tö­rung des alten Istanbul und begleitet eine Familie, die durch die Abriss­bagger aus ihrer Wohnung vertrieben wird, und mit anderen ganz normalen Bürgern um ihre Rechte kämpft. Die in Istanbul geborene Norwe­gerin Annie Pertan portrai­tiert in The Colours Of Diversity die gegen­wär­tige Kunst­szene Istanbuls, und beschreibt, ähnlich wie Aslihan Ünaldi in ihrem Overdrive: Istanbul In The New Millenium wie das Bündnis aus neurei­cher Geldgier und gemäßigtem Isla­mismus, das sich in der Regie­rungs­partei AKP zusam­men­findet, diese Vielfalt zunehmend gefährdet. Selbst der Titel der »Europäi­schen Kultur­haupt­stadt« für Istanbul wird zwei Jahr später von vielen Künstlern und Intel­lek­tu­ellen überaus kritisch gesehen, als kaum verhüllter Vorwand, tradi­tio­nelle Struk­turen durch aufge­bla­sene Events und Fast-Food-Kultur zu ersetzen – die AKP stellt auch Istanbuls Bürger­meister. Was da verlo­ren­zu­gehen droht, beschreibt einfühlsam Halic – Golden Horn. Der erste Doku­men­tar­film des renom­mierten Regis­seurs Erden Kiral ist eine ebenso melan­cho­li­sche wie sehr persön­liche Beschwö­rung des multi­kul­tu­rellen Istanbul und der Altstadt auf dem Goldenen Horn.

Bei uns nennt man das Gentri­fi­zie­rung – dahinter verbirgt sich in der Türkei aber mehr: Der Hass der Bauern auf die Metropole, der Hass der Bigotten auf den Sünden­pfuhl Istanbul, der alles reprä­sen­tiert, was man am eigenen Land nicht mag. Die Rein­heits­ideo­logie, die Trinken, Rauchen, abends draußen sitzen, unver­schlei­erte Frauen und bücher­le­sende Männer verbieten will. So wie Mehmed II. einst Konstan­ti­nopel eroberte, will Minis­ter­prä­si­dent Erdogan jetzt Istanbul erobern.

Ein Film wie Fetih 1453 bringt diese AKP-Ideologie unter das Volk, auch in Deutsch­land. Er ist das präzise Dokument einer Gesell­schaft, die sich zur Zeit eher rückwärts orien­tiert, sich ein wenig hilflos an überholte Tradi­tionen klammert.

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