Donnie Brasco

USA 1996 · 128 min. · FSK: ab 16
Regie: Mike Newell
Drehbuch: ,
Kamera: Peter Sova
Darsteller: Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, Bruno Kirby u.a.

Donnie Brasco erzählt die Geschichte des jungen FBI-Under­co­ver­a­genten Joe Pistone. Im bürger­li­chen Leben ein fürsorg­li­cher Fami­li­en­vater, erfüllt er (Johnny Depp) seinen Job zuver­lässig, indem er in die Rolle des Hehlers und Juwe­len­schie­bers Donnie Brasco schlüpft, um Infor­ma­tionen über einen Mafia-Clan zu sammeln. Als Eintritts­karte zu dieser ehren­werten Gesell­schaft dient ihm der alternde Krimi­nelle Lefty Ruggiero, von Al Pacino gespielt, dessen Vertrauen er gewinnt und der für ihn bei seinen Bossen bürgt. Mit dem Charakter des Lefty Ruggiero ist das Genre des Mafia­films bei der Schil­de­rung der untersten Sprosse der Hier­ar­chie­leiter angelangt. Handeln Filme wie Coppolas Der Pate oder Scorseses Good­fellas noch von der Aris­to­kratie bzw. von einem sich glamourös gebenden Mittel­stand der Gangsters Inc., so gleichen Lefty und seine Kumpane eher einem desil­lu­sio­nierten, traurig und glanzlos herum­schlur­fenden Lumpen­pro­le­ta­riat, daß sich nicht zu schade ist die fälligen Abgaben an die Bosse und seinen Lebens­un­ter­halt mit Baga­tellen wie aufge­bro­chenen Parkuhren oder gestoh­lenen Karten für ein Popkon­zert zu bestreiten.

Trotz seines verpfuschten Lebens, flackert bei Lefty wieder ein Funke Hoffnung auf, als Donnie ein vom FBI insze­niertes »Geschäft« in Form eines Nacht­clubs vorschlägt. Aber die Illusion eines Ausstieg und einer finan­zi­elle Absi­che­rung auf die alten Tage löst sich im nichts auf, nicht etwa weil sich das FBI einschaltet, sondern weil Lefty von seinem Boß ausge­bootet wird. Nur wenig tröstlich, daß dieser wiederum durch seine Paten aus dem Verkehr gezogen wird, denn die Welt ist schlecht und am Ende trifft es immer den schwächsten Wolf des Rudels, in diesem Fall Lefty.

Je besser Donnie Lefty kennen­lernt, um so mehr erkennt er, daß sich hinter Leftys abge­brühter und zynischer Fassade ein melan­cho­li­scher und verletz­li­cher Mensch verbirgt, der in Donnie auch so etwas wie seinen Sohn sieht. Für Donnie wird die Situation immer uner­träg­li­cher, da es ihm nicht gelingt Lefty zu einem Ausstieg zu bewegen und er sich bewußt ist, daß mit bekannt­werden seiner wahren Identität, das Todes­ur­teil seines väter­liche Freundes gespro­chen ist.
Um das Vertrauen von Lefty nicht zu verlieren und weiter glaubhaft zu wirken, versteift sich Joe immer mehr in seiner Rolle als der Krimi­nelle Donnie Brasco, bis seine eigene Identität droht verloren zu gehen. Joe erkennt, daß Donnie nicht nur ein Teil seiner Persön­lich­keit ist, sondern daß er immer mehr der Gangster wird, der er nur vorge­geben hat, zu sein. Die von Anfang an schon dünnen Verbin­dungs­fäden zu seinem bürger­li­chen Leben, zu seiner Familie und zu seinen Vorge­setzten beim FBI lösen sich langsam auf. Das FBI schreitet schließ­lich ein und beendet die gesamte mehrere Jahre dauernde Aktion.

Der Regisseur Mike Newell gewährt am Ende Lefty/Pacino einen gran­diosen, herz­er­wei­chenden Abgang, indem er der Vorladung seiner Mafia­bosse folgt, seine letzten Wert­sa­chen für seine Frau deponiert und die Wohnung verläßt. In der Abblende ertönt ein Schuß und man sieht Donnie/Joe beim Übungs­schießen.
Die letzten Szenen spielen bei der Verlei­hung einer Ehren­me­dallie für Joe. Der Regie­rungs­be­amte leiert stereotyp seine Belo­bi­gung runter und drückt Joe einen Scheck über 500 Dollar in die Hand. Das Kopfgeld für den Verrat an seinem Freund.
Joes anwesende Familie fordert ihn in der letzten Szene auf, nach Hause zu kommen. Ob ihm in die Rückkehr in sein bürger­li­ches Leben noch möglich ist bleibt mehr als fraglich.

Die Plotidee des Films stützt sich zwar auf die Erin­ne­rungen des realen Joseph D. Pistone, hat also sowas wie einen authen­ti­schen Hinter­grund, aber Mike Newell geht es mehr um die Schil­de­rung einer entste­henden Freund­schaft zweier anschei­nend grund­ver­schie­dener Menschen. Daß diese Freund­schaft eine schöne Illusion bleibt, bedingt das System in dem die beiden Charak­tere gefangen sind.
Das Manko dieses Films ist die Kälte und Emoti­ons­lo­sig­keit in der Newell seine Charak­tere schildert. Nur allzu oft entsteht so leider ein äußerst arti­fi­zi­eller Eindruck des Gesehenen. Dem Film wäre durchaus etwas mehr von dem Pathos seiner Vorläufer gut zu Gesicht gestanden.

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