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Der 1968 geborene Will Smith ist - neben Denzel Washington
und Morgan Freeman - der bekannteste schwarze Darsteller im
US-Kino. Begonnen hat er in den 80er Jahren als Musiker. Den
Leinwand-Durchbruch erlebte er dann 1996 mit Roland Emmerichs
INDEPENDENCE DAY und mit MEN IN BLACK. Vor zwei Jahren wurde
er für die Titelrolle in ALI für einen Oscar nominiert.
Nun ist Smith, einer der bestbezahlten Stars der Gegenwart,
in dem Science-Fiction-Actionfilm I,
ROBOT zu sehen.
Mit ihm sprach Rüdiger
Suchsland.
Artechock: I, ROBOT zeigt eine Welt, in der jeder
Mensch einen Privatroboter besitzt. Welche Art Roboter hätten
Sie selbst denn selbst am liebsten zuhause?
Smith: Einen Golfcaddie! Der mir sagt, wie weit es
zum Loch ist, wann die Schläger brechen, wie ich um die blöden
Bäume herumkomme. Mein Golf-Handicap ist zu schlecht. Jede
Technologie ist nicht etwas, das etwas "für einen tut", sondern
eine Erweiterung des eigenen Verstandes. Ich würde einen Roboter
als Lehrer benutzen, zum Beispiel für Schach - ich bin ein
richtiger Schachfreak.
Die Vorlagen zum Film sind die berühmten Kurzgeschichten
von Isaac Asimov. Was hat sie an diesem Stoff fasziniert?
Die beste Science-Fiction ist voll mit echter Wissenschaft.
Asimov hat die "drei Gesetze" geschrieben, das sind wirklich
geniale Konstrukte. Die Roboter sind lernfähig - wie jede
andere Kreation auf der Erde. In der Geschichte des Films
geht es tatsächlich um den Gegensatz von Logik gegen Intuition.
Auch hier tun die Roboter nie etwas falsches, sie machen exakt
das, wozu sie entworfen wurden. Tatsächlich geht es also um
die Arroganz der Menschen, die glauben, alles kontrollieren
zu können. Zugleich enthält der Film einige brillante Visionen
von unserem Leben in der Zukunft. Das was wir sehen, ist vielleicht
sogar weniger als 31 Jahre weg. Große Science-Fiction kann
in die Zukunft sehen.
Sehen Sie doch mal in die Zukunft. Wie stellen Sie sich
unsere Welt von morgen vor?
In I, ROBOT spiele ich zwar einen Technophobiker, aber tatsächlich
liebe ich die Vorstellung, dass Technik alles überschreitet,
was wir uns überhaupt vorstellen können - überlegen Sie mal,
was sich in den letzten 50 Jahren getan hat. Das ist vergleichbar
mit dem, was sich in den 1000 Jahren vorher veränderte. Wir
können noch nicht einmal sagen, was in 10 Jahren alles anders
sein wird. Mein Vater hatte noch nicht einmal einen Fernseher,
als er aufwuchs! Keiner von uns konnte sich ein Handy vorstellen.
Wir haben einen Mann auf den Mond geschossen, auf meinem iPod
habe ich 55.000 Songs gespeichert. Das finde ich total aufregend
und habe keinerlei Angst. Der Hauptunterschied zwischen dem,
was der Film zeigt und dem Stand der Wissenschaft, ist, dass
Robotergesellschaften zur Zeit nicht an Robotern arbeiten,
die menschliche Gesichter haben. Zuviele Menschen lehnen das
völlig ab. Sony hat immerhin einen Roboter gemacht, der wie
ein kleines Kind aussieht. Also: Es kann sich alles ändern,
und auch Dinge, die uns heute erschrecken, können uns morgen
ganz vertraut sein. Ich glaube, wenn ich 1800 aufgewachsen
wäre, hätte mich die Vorstellung des Fliegens oder des Internet
auch erschreckt.
Es gibt viel Action und anregende Zukunftsszenarien. Die
Liebesgeschichte in diesem Film wird dagegen nur angedeutet...
Es stimmt schon: In einem großen Sommerblockbuster muss der
Held eigentlich am Ende das Mädchen küssen. Aber mein Regisseur
Alex Proyas ist ein unglaublicher Science-Fiction-Fan. Er
wollte nicht, dass irgendetwas die Konzentration vom Kern
der Story ablenkt.
Es hat also nichts mit Ihrer Hautfarbe zu tun - man sieht
in Hollywood so gut wie nie Schwarze eine weiße Frau küssen...
Nein, ich denke, das hätte schon passieren können. Aber natürlich:
Es gibt auch in Hollywood weiterhin Rassismus. Genau wie Sexismus,
wie Klassenverhältnisse. Der Vorteil daran ist: Man erkennt
seine Feinde. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die meisten
Studio-Bosse weiß sind. Sie erzählen Geschichten über Leute,
die so sind, wie sie. Sie kennen mich und meine Freunde, meine
Lebensverhältnisse viel zu wenig. Mein Job ist, genau solche
Vorurteile - die den Beteiligten oft gar nicht einmal bewusst
sind - abzubauen.
Was suchen Ihre Fans, wenn sie in einen Will-Smith-Film
gehen?
Hoffnung. Mein Aussehen, meine Ausstrahlung sagen: Alles
ist möglich. Jeder hat eine Chance. Egal, wovon man träumt
- man kann es schaffen. Ich kenne keinen anderen Schwarzen,
der je im Kino die Welt retten durfte! Oder nehmen sie ALI.
Warum dieser Film für mich perfekt war, war, weil kein einziger
Mensch auf der Welt glaubte, dass ich Muhammad Ali spielen
könnte. Sogar meine Mutter meinte besorgt: "Baby, bist Du
sicher?" (lacht) Indem ich das geschafft habe, habe
ich diese Art von Hoffnung auf eine neue Stufe gestellt Vergleichbar
damit ist für mich nur Rap-Musik. Diese Musiker sind so frei!
Ich sehe sie, und denke: "Hey verdammt! So warst Du auch mal.
Die sagen wirklich genau, was sie wollen, ziehen die Klamotten
an, die sie gut finden. Da musst Du wieder hin: Wo ein Ort
ist, wo Du tust, was Du willst - egal ob es anderen gefällt."
Fühlen Sie sich in Hollywood unfrei?
Wissen Sie: Nicht Hollywood schränkt mich ein, sondern ich
mich selber. Das ist ein Ich-Ding. Ich stecke mich selbst
in die Falle.
Sie waren ja mal ein erfolgreicher Musiker. Fühlten Sie
sich dort freier?
Es gibt einfach Zeiten, da interessiert es einen mehr, Erfolg
zu haben, oder cool zu wirken, als frei zu sein. Was ich eben
meinte, ist der insgeheime Wunsch, wieder zu dem Punkt zurückzukommen,
wo es einfach nur darum geht, man selber zu sein. Denn ich
weiß ja auch: Eines Tages bin ich den Leuten wurscht. Heute
nicht, und das genieße ich und mache das Beste daraus. Aber
irgendwann heißt es von mir: Der war mal groß. Ich weiß, dass
ich heute populärer bin, als ich es je in meinem Leben wieder
sein werde. Ich bin Realist.
I ROBOT ist auch eine politische Metapher: Gezeigt wird
eine totalitäre Zukunftswelt. Können Sie sich eine ähnliche
Entwicklung für Ihr eigenes Land vorstellen?
Schauen Sie sich die Geschichte an: Wir wissen, was mit dem
ägyptischen Imperium passiert ist, mit dem Römischen Reich,
mit Byzanz... Alle Imperien, die je existierten, gehen den
gleichen Weg. Die Frage ist, wie klug die Politiker der USA
mit diesen Tatsachen umgehen, wie gut sie sie verstehen. Wenn
sie sie verstehen, wird es langsam Zeit.
Andere Schauspielerkollegen engagieren sich politisch.
Kamen Sie je selbst in Versuchung?
Politik spiegelt die Gesellschaft und ihre Menschen wieder.
In Amerika ist unser größtes Problem die Apathie. Für mich
ist das wichtigste, die Leute dazu zu bringen, dass sie einfach
aufpassen, dass sie sich informieren. Wir haben Zugang zu
allen möglichen Informationsquellen. Alles, was wir machen
müssen, ist: Wir müssen einfach etwas besser aufpassen: Dann
richtet sich die Politik auch nach den Leuten.
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