06.10.2014

»Keep your head down. Speak Brazilian!«

Internationales Filmfestival San Sebastian 2014
Verdienter Sieger – Carlos Vermuts Magical Girl

Ein besseres Eastern Promises, eine düstere Version der Sch'tis, Little Odessa Reloaded und ein magisches Mädchen – mit dem Inter­na­tio­nalen Film­fes­tival in San Sebastián bewies die Kultur­haupt­stadt 2016 bereits jetzt eigene Stärken

Von Rüdiger Suchsland

»You can be anything you wanna be.«
»Maybe in your world.«
»Change your world.«

Dialog aus THE EQUALIZER

Ein arbeits­loser Lehrer, der seine Tochter allein groß zieht. Sie wird krank, vermut­lich tödlich, und möchte sich in den Monaten, die ihr bleiben, noch ein paar Wünsche erfüllen – einer davon ist das rosa Prinz­es­sinnen-Kleid ihres japa­ni­schen Lieb­lings­co­mics Magical Girl. Das ist auch der Titel des Film des spani­schen Regis­seurs Carlos Vermut, der beim Festival in San Sebastian nicht nur den Haupt­preis, die »Goldene Muschel«, sondern auch noch die Ausz­eich­nung als »Bester Regisseur« gewann. Verdient, denn was sich in der Zusam­men­fas­sung anhört wie ein kitschiges Sozi­al­drama, wie Tränen­drüsen-Huma­nismus, der für Film­fes­ti­val­preise typisch ist, das ist tatsäch­lich virtuoses Kino, erzählt mit den kräftigen Bild­ein­fällen japa­ni­scher Mangas und in einfalls­rei­chen Hand­lungs­sprüngen, die die Chro­no­logie aufbre­chen, und verschie­dene Erzähl­stränge originell inein­ander verschwimmen lassen.
Der tragi­ko­mi­sche Film vermischt die Geschichte von zwei »magischen« Mädchen: Die 12-jährige an Leukämie erkrankte Alicia wünscht sich das sündhaft teure Magical-Girl-Kleid der japa­ni­schen Sängerin Megumi. Ihr arbeits­loser Vater Luis erpresst eine Frau nach einer flüch­tigen Liebes­nacht damit, ihrem Ehemann von der Affäre zu erzählen, wenn sie ihm kein Geld gibt, um seiner Tochter ihre Wünsche zu erfüllen. So gerät diese Frau namens Barbara gerät in eine Spirale sado­ma­so­chis­ti­scher Spiele.

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Dies ist wie ein Manga zugleich hart und märchen­haft, zugleich kitschig und eine hyper­rea­lis­ti­sche Bestands­auf­nahme des Spaniens in der Wirt­schafts­krise voller Humor und Zynismus, Horror und Phan­tastik, Surrea­lismus und Wahn. Ein Rachengel sorgt für zusät­z­li­chen Witz. Es muss keines­wegs immer Bunuel sein, wenn spani­sches Kino den Natu­ra­lismus verlässt. Das ist hoch­gradig speku­lativ, zuge­ge­be­ner­maßen angreifbar, aber gerade auch angenehm in der Skru­pel­lo­sig­keit, dem geschmei­digen Mut, in dem Magical Girl ästhe­tisch auf dünnem Eis geht.

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Zehn Tage zuvor war mit Hollywood-Star Denzel Washington eröffnet worden – als Equalizer war er persön­lich ins Basken­land gekommen, und hatte damit persön­lich bekräf­tigt, dass dieses Festival immer wichtiger wird, Locarno auf der Rangliste inter­na­tio­naler Festivals deutlich überholt hat und als Nummer vier unter den »A-Festivals« der Welt, inzwi­schen sogar Venedig massive Konkur­renz macht.

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The Equalizer, der im Oktober in die Kinos kommt, ist genau das, was David Cronen­bergs »Eastern Promises« vor Jahren hätte sein müssen: Eine böse, trashige, dysto­pi­sche Phantasie über die bösen Russen, und das, was sie mit dem guten Amerika machen. Dies ist ohne Frage ein angreif­barer Film, latent rassis­tisch – aber genau deswegen auch sehr vergnüg­lich. Kino als Wunsch­ma­schine, die all unsere niederen Instinkte anspricht, Ängste visua­li­siert und auf diese mit Ermäch­ti­gungs­phan­ta­sien antwortet.
Es ist auch ein Film voller schlauer Sprüche, voller Moral, mitunter triefend vor Selbst­ge­rech­tig­keit. Aber der Film zahlt zurück.

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Leitfrage: Was fürchten die Amis an den Russen? Sie fürchten, das erzählt so scheint mir dieser Film vor allem, ihr Alter Ego, die Sünden eines Imperiums, das der verlo­renen Macht nach­trauert, und dem es an innerer Selbst­dis­zi­plin fehlt. Zugleich die Stärke, die aus Amoral erwächst, aus Skru­pel­lo­sig­keit.
Dies ist ein auffal­lend puri­ta­ni­scher Film: Der Held trinkt nicht, raucht nicht, liebt nur eine Tote – und lebt wie ein Untoter vor allem nachts. Alkohol, Rauchen, Drogen und Sex begegnen wir nur bei den Bösen.
Denzel Washington, der einfach großartig anzusehen ist, und hier seinen besten Auftritt hat seit Inside Man und American Gangster, dieser Washington, der in diesem Jahr noch kaum glaub­liche 60 wird, aber keinen Tag älter aussieht, als 51, der spielt einen recht zwangs­neu­ro­ti­schen Typ namens Robert. Robert lebt in einem recht karg einge­rich­teten Appar­te­ment, hat die Haare militä­risch kurz geschnitten, und sein ganzes kleines spießiges Leben so auf Kante gefaltet, wie sein Bett. Er lebt strikt nach der Uhr, isst morgens gesunden Früchte-Brei aus dem Mixer und arbeitet im Baumarkt. Aber viel­leicht sind es seine Product-Placement-New-Balance-Schuhe, viel­leicht seine Schlaf­lo­sig­keit, viel­leicht einfach die Tatsache, dass wir wissen: Denzel Washington spielt »Equalizer« in einem Film von Antoine Fuqua, dass wir wissen: Das ist nicht alles, da kommt noch was – dieser Robert trägt an einer schweren Last und hat mehr als ein Geheimnis.

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Irgend­wann, um es kurz zu machen, lernt er eine junge Russen-Hure namens Alina kennen, die von ihrem Zuhälter kran­ken­haus­reif geprügelt wird, und als es ihm nicht gelingt, sie einfach frei­zu­kaufen, nimmt er es mit der kompletten Russen­mafia von Boston, inklusive ihren irischen Partnern und einer Handvoll korrupter Cops auf.
Außer seinem früheren Leben, in dem er offen­sicht­lich zur Killer­ma­schine ausge­bildet wurde, hilft dem »Equalizer« dabei alles, wirklich alles, es ein Baumarkt so zu bieten hat. Denn dort kommt es irgend­wann zum Showdown: Baumsägen, Astscheren, Äxte und Hämmer, Bunsen­brenner, Stachel­draht und Bohr­ma­schinen werden auf origi­nelle Weise zweck­ent­fremdet.
Höheren Weihen liefern pseu­do­bud­dhis­ti­sche Sinn­sprüche wie »Don't doubt yourself. Doubt kills.« oder »Progress, not perfec­tion« und Dialoge wie dieser: Denzel: »You can be anything you wanna be.« Alina: »Maybe in your world.« Denzel: »Change your world.«

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Das Ganze ist natürlich auch eine Männer­phan­tasie. Man wartet immer auf den Satz: »What's a nice little girl like you doing at a place like this?« – der fällt zwar nicht, aber der »Equalizer« erlöst nicht nur der erschüt­terte Amerika von den bösen Russen, sondern auch den west­li­chen Mann aus seiner Sinnkrise.

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Und der Film ist... Nun ja: Neben mir saß während der Eröffnung eine Frau, die sich bestimmt 30 Prozent des Films die Augen zuge­halten hat. Die Ohren aller­dings konnte sie sich nicht auch noch zuhalten, und der Sound erzählt hier schon alles.

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Wie andere Festivals seiner Art bietet San Sebastian ein Misch­pro­gramm: Sehr stark war außer Konkur­renz P'tit Quinquin (»Kindkind«) vom Franzosen Bruno Dumont (Humanité,  Flandres), der als Miniserie fürs Fernsehen entstand, aber ganz und gar ein drei­ein­halb­stün­diges Kinowerk in Cine­ma­scope ist. Toll, dass so etwas möglich ist: Der Kultur­kanal ARTE gab dem fran­zö­si­schen Auto­ren­filmer, der in Cannes schon zwei Palmen gewonnen hat, einfach eine »Carte Blanche«, also das Recht zu machen, was er wollte und der zahlte das Vertrauen zurück: Eine Leiche wird gefunden, die Mord­kom­mis­sion ordnet eine Autopsie an. Es fängt an, wie immer im Fernsehen – nur, dass die Leiche die einer Kuh ist. Und so geht es weiter: Alles ist wie immer, und alles ist anders bei dieser düsteren Version des fran­zö­si­schen Sch'tis-Erfolgs, eine Mischung aus Komödie und Poliz­ei­film, witzig und abgründig. P'tit Quinquin ist eine kleine Sensation – gleichz­eitig radikale, kompro­miss­lose Kunst ist, wie große Unter­hal­tung.

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»Things happen, most people are not allowed to see.« – ein hard boiled Noir-Sound herrscht von Anfang an in diesem Film, dem hervor­ra­genden neuen Film vom belgi­schen Regisseur Michael T. Roskam, der für Bullhead 2012 eine Oscar­no­mi­nie­rung bekam. The Drop spielt im Winter. Es beginnt am Weih­nachts­abend, geht über Neujahr bis zum Ende am Superbowl-Weekend Ende Januar. Der Film ist also zeitlich genau fixiert, örtlich auch: Alles spielt in Little Odessa im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Das russische und post­so­wje­ti­sche Einwan­der­er­mi­lieu, das sonst in den Filmen von James Gray im Zentrum steht. Dort regieren Mafia-Banden nicht nur die Straße, und ganz aus ihren Geschäften heraus­halten kann sich keiner. Tom Hardy spielt Bob, einen Barmann, der es auf seine Art trotzdem versucht. Roskam erzählt nach einer Vorlage von Denis Lehane und in einem nicht aufdring­li­chen Neo-Noir-Stil eine abgrün­dige Geschichte, die von der Wieder­kehr des Verdrängten handelt. Am Anfang wird ein Hund im Müll gefunden, bald darauf wird die Bar über­fallen, in der Hardys Figur arbeitet. Sie gehört seinem Cousin. Der Hund muss erzogen werden und reprä­sen­tiert die zivile, zärtliche Seite der Haupt­figur, das war in der Bar passiert, seine andere.
Die Schurken sind in diesem Fall mal die Tsche­tschenen, ein »Mr. Umarov«, der sagt »Call me Chovka.« The Drop – der Titel bezieht sich auf einen Ort in der Bar, der dafür dient illegale Gelder »abzu­werfen« und aufzu­be­wahren – ist ein span­nender Film-Noir um Schuld und Sühne, atmo­s­phä­risch satt in einem eiskalten, schnee­be­deckten Winter-New-York. Wehmut ergriff auch hart­ge­sot­tene Zuschauer, als sie den verstor­benen »Soprano«-Star James Gandol­fini in seinem letzten Lein­wand­auf­tritt sahen. »We are fucking dead already. We are just walking around.« sagt Gandol­fini irgend­wann in diesem Film. Nie hat solcher »Hard-Talk« so gestimmt, wie hier. Gandol­fini ist tot, er läuft nur noch herum als elek­tri­scher Schatten auf der Leinwand.

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Gandol­finis Figur, das stellt sich heraus, hat den Überfall selbst insz­e­niert, und so etwas geht im Kino selten gut. Er ist ein Verdammter, einer der seinen Moment verpasst hat, nicht das Glück anderer hatte, und nun den Weg in die Hölle zu Ende gehen will. Er lebt mit seiner Schwester zusammen, es könnte auch ein altes Ehepaar sein, und es ist so lustig wie traurig anzuhören, wenn sie mitein­ander reden: Sie schlägt eine Reise nach Italien vor. Er: »Why?« – Sie: »We could see things.« – Er: »What things?« Sie sprechen über ihren uralten Vater, der komatös im Kran­ken­haus liegt. Alles wird immer teurer. Eine Agentur hat die Verwal­tung des Kran­ken­hauses über­nommen. Soll man den Vater sterben lassen? Er: »Yeah, just kill him, pull the trigger«. Sie: »Thats life«. Er: »It's electri­city.«

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Was das Leben, das gute vor allem am Ende ausmacht, ist das tiefere Thema dieses Films, wie vieler Film Noirs. Wann lohnt es sich nicht mehr ums Überleben zu kämpfen, und die Einsicht, dass ein neues Leben nie in Reich­weite ist. Wie in Bullhead zeigt sich Roskam auch hier wieder weit mehr vom Bösen faszi­niert, als vom Guten, wie dort stellt er aber ins Zentrum seiner Figuren eine Figur, die düsterste Abgründe mit einer fast kindlich-naiven Unschuld mischt. Und in Tom Hardy findet er einen Darsteller, der das trägt. Auch Matthias Scho­ena­erts, der Haupt­dar­steller von Bullhead ist hier wieder dabei. Er spielt Eric, einen weiteren von Anfang an Verdammten, einen psychisch Gestörten, der sich selbst eines Mordes bezich­tigt, den er nach­weis­lich nicht begangen hat. Aber alle glauben ihm. Fast alle. Und so trauen ihm fast alle auch das Schlimmste zu. Er ist der Ex-Freund von Bobs Love-Interest, der von Noomi Rapace gespielten Nadya, und sagt Sätze wie: »Thats life. People like me come, when you are not looking.«
»Nobody ever sees you coming. Do they Bob?« sagt der Polizist des Viertels, Detective Torres zu Bob. Es geht also auch um das, was man sieht, und was nicht: »Did you see anything.« – »You know, it's this neigh­bourhood.«

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Am Ende kommt es zur tödlichen Konfron­ta­tion, und es passiert, womit nur sehr Genre-Erfahrene rechnen: Das vermeint­liche Unschulds­lamm Bob, diese undurch­sich­tige Persön­lich­keit, der zur Kirche geht, aber nie zur Beichte, der seinen neuen Hund nach einem katho­li­schen Heiligen Rocco nennt, der seinen über­re­agie­renden Cousin immer abwiegelt, beschwich­tigt, der aber auch in der Lage ist, einen abge­sägten Arm in Cellophan-Folie zu verpacken, mit einem Schrau­ben­schlüssel zu beschweren und in den East River zu werfen, dieser Bob ist schneller als der vermeint­lich hoch­ge­fähr­liche Eric, und er erschießt ihn mit den Worten »fucking punk!«. »You just shot him.« sagt Nadya fassungslos, »Yes, I did, abso­lu­tely, he was gonna hit at you. Nobody will ever hit you again. This is done.« Und ab jetzt sind die beiden ein Paar.
Aus dem Off kommt das Fazit: »The devil is waiting for your body to part. He knows, he already owns your soul. If you are dead and the guardian says: No, you can't come in, you have to be alone forever.« Aber »You are not alone, you've got friends.« sagt Chovka, der die Leiche entsorgt.

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Roskam denkt Humanität und Grau­sam­keit zusammen, Romantik und Mord, Engel und Teufel. The Drop ist eine sehr realis­ti­sche, desil­lu­sio­nierte katho­li­sche Phan­tas­ma­gorie: »I'll be damned.« – »What? You weren‘t already?«

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»Gangs­ter­movie in its origin was a social critic« erzählt Roskam bei der anschließenden Pres­se­kon­fe­renz. »When there is no law, you still need social structure. Mafia ist the alter­na­tive of a state. There is still a society, when there is no law. ... we refer to paintings The Brooklyn-Painter George Bellows inspired the imaging of this film a lot.«

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Die Festi­val­land­schaft ist zur Zeit in Bewegung. Das ist auch in San Sebastián erkennbar: Während neureiche Festivals wie Toronto, Rom und Zürich den Etab­lierten Konkur­renz machen, haben manche tradi­tio­nelle Film­fes­ti­vals auch deshalb zu kämpfen, weil sie selber Fehler machen: Locarno zeigt viel zu viel, Venedig ist zurzeit nicht mehr so mutig, wie noch vor wenigen Jahren. 2014 waren beide Festivals vergleichs­weise nicht so stark wie früher. Davon, vor allem aber vom Staub­sauger-Charakter Torontos profi­tiert mehr denn je das Film­fes­tival von San Sebastián, das sich eindeutig als Nummer vier neben den großen Drei – Cannes, Venedig, Berlin – etabliert und Locarno abgehängt hat.
Um die »Goldene Muschel« konkur­rieren andere: Neben Christian Petzolds Phoenix (Kinostart vorletzte Woche, wir berich­teten), der bei Nicht-Deutschen viel weniger umstritten ist, als in seiner Heimat, ist das Programm auch sonst in diesem Jahr auffal­lend stark.

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»The world is a cruel place my friend.«
aus: Felix et Meira

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Der fran­co­ka­na­di­sche Felix et Meira von Maxime Giroud ist das Beispiel eines Films, der nicht gut ist, aber inter­es­sant. Nach 20 Minuten wäre ich fast raus­ge­gangen. Mit jiddelnder Musik wird eines Familie im orthodox-jüdischen Milieu von Montreal gezeigt. Von Anfang an ist die Stimmung ange­spannt, die Atmo­s­phäre repressiv. Die Ehe zwischen Meira, aus deren Perspek­tive erzählt wird, und ihrem Mann ist nicht gut. Das Kamera führt sie mit Felix zusammen, einem char­manten Tauge­nichts, dessen reicher Vater gerade gestorben ist.
Aber irgend­etwas hat dieser Film dann doch. Der Film hat einiges zu sagen und immer wieder gute Ideen, er weiß nur nicht, wie er sie erzählen soll. Hilfloses Stammeln mit Bildern und Szenen, die sich der Zuschauer selber zusam­men­reimen muss.

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Die Haupt­dar­stel­lerin Hadas Yaron kennt man aus dem israe­li­schen Fill the Void (Regie: Rama Burshtein), in dem sie die sehr ähnliche, dann aber dich ganz anders gelagerte Rolle einer jungen chas­si­di­schen Frau spielte. Man inter­es­siert sich für ihre Lage, freut sich über Möglich­keiten, vom leben mehr zu erhaschen, als es die Grenzen ihrer strengen Umgebung erlauben. Gute Momente sind es, wenn sie heimlich Pop-Musik hört, zum ersten Mal tanzt, oder die erste Blue Jeans ihres Lebens anpro­biert.

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Felix et Meira will offen­kundig sagen, dass reli­giöser Glaube begrenzt ist und dass die Liebe alle Grenzen über­winden kann. Über beides ließe sich natürlich streiten. Aber wenn man das schon sagen will, müsste man im Kino erstmal zeigen. Der Film aber inter­es­siert sich nicht fürs chas­si­di­sche Mileu, außer insofern es Meira einschränkt. Nichts wird bei ihr erklärt, psycho­lo­gi­siert, bei ihm dagegen schon. Inter­es­sant sind die Momente eines gemein­samen New York-Besuchs der beiden. Zwar gibt es auch hier wieder Klischees, das Tanzen als Locke­rungs­übung und der Besuch am Touris­ten­ziel Times Square. Aber das Milieu des jüdischen Viertels in – wieder – Brooklyn, ist besser getroffen.
Eine drama­tur­gisch zwar frag­wür­dige, aber in sich sehr schöne Szene ist die des Besuchs des fast verlas­senen Ehemanns bei Felix. »I need you to under­stand, that if Meira leaves me, she's gonna leave the entire community. She can never go back. My daughter will grew up without a mother. We can not be friends, but i need to count on you from man to man. Keep her save.« Dann entdeckt er einen Brief von Felix Vater, den dieser verbrennen wollte: »That's nonsense. Can I read it?« Eine tolle Szene.

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»Keep your head down. Speak Brazilian.« – »There doesn't exist a language like Brazilian. The fucking Brazi­lians speak Portugese.«
Aus: The Drop

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