06.03.2014

Hasso macht jetzt früher Platz

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Die Hard von Konstantin Bronzit von 1999

Mit einer »Best of«-Ausgabe feiert das Inter­na­tio­nale Kurz­film­fes­tival Bunter Hund am 7. und 8. März seinen 15. Geburtstag im Münchner Werk­statt­kino

Von Natascha Gerold

Eine neue Idee, eine unge­wohnte Sicht­weise auf vermeint­lich Altbe­kanntes, die Quint­es­senz großer Themen mensch­li­chen Daseins – das alles lässt sich in 90, 120 oder noch mehr Minuten filmisch zeigen. Es geht aber auch schneller. Zum Glück. Ist das Leben nicht zu kurz für Lang­at­mig­keit?

Dement­spre­chend zele­briert das Inter­na­tio­nale Kurz­film­fes­tival »Bunter Hund« seit mitt­ler­weile 15 Jahren die Kunst der knappen Darstel­lung und hat in dieser Zeit ca. 850 Filme präsen­tiert – alle höchstens 20 Minuten lang, frei in Themen- und Genrewahl, Werke von Profis und Amateuren sind glei­cher­maßen will­kommen. Mit seiner Jubiläums­aus­gabe gelingt dem »Bunten Hund« ein Pfoten­streich, der Rück- und Ausblick geschickt mitein­ander verbindet: Ab heuer nämlich findet das Festival nicht mehr im Oktober, sondern bereits im März statt. Weil die Zeit bis März 2014 für Planung und Orga­ni­sa­tion neuer Filme viel zu kurz gewesen wäre, kommt der Auftakt des neuen Termins als »Best-of«-Special daher, im Rahmen dessen sämtliche Gewin­n­er­filme an zwei Tagen in zwei Programmen zu je 90 Minuten gezeigt werden. Was bleibt, ist der Veran­stal­tungsort – das Münchner Werk­statt­kino, eine Kegelbahn in seinem früheren Leben, ist nach wie vor die Höhle des Bunten Hunds.

Auch wenn es heuer keine neuen Filme zu sehen und keinen neuen Publi­kums­preis, den Hasso, zu verleihen gibt – spannend ist diese Jubiläums­ver­an­stal­tung aus mehreren Gründen. Erstens haben die Gewinner ihr Kommen zugesagt, genügend Stoff für inter­es­sante Gespräche mit den Regis­seuren in der Fraun­ho­fer­straße dürfte also vorhanden sein. Zweitens gewinnt man einen kleinen Einblick in einein­halb Jahrzehnte Kurz­film­ge­schichte und ihre Rezeption. Welche Themen haben die Filme­ma­cher in den vergan­genen Jahren besonders beschäf­tigt? Und welche Filme haben das Publikum überzeugt, das letzt­end­lich über die Vergabe des Hasso entscheidet?

Natürlich ist das Thema Liebe genreüber­grei­fend präsent – ob als animierte Lavatory Lovestory des Russen Konstantin Bronzit, der sogar schon zweimal den Hasso gewann, als roman­ti­sche Stau-Schau in Sintonía von José María Goneaga oder in Tom Tykwers True in der Stadt der Liebe. Die Abbildung episo­den­ar­tiger Sequenzen aus dem Leben Einzelner kann mitunter komplexe (gesell­schafts-)poli­ti­sche Verflech­tungen umso prägnanter verdeut­li­chen: Der Doku­men­tar­film Zwischen Welten von Dorothea Carl, in dem sechs junge Frauen über ihr Parallel-Leben in verschie­denen Kulturen berichten oder der Spielfilm La Boda von Marina Seresesky über eine Hochz­eits­ge­sell­schaft ganz anderer Art sind nur zwei von vielen gelun­genen Beispielen dafür. Und Filme wie La Huída von Victor Carrey, Sooner or Later von Jadwiga Kowalska oder Signalis von Adrian Flückiger bieten herrlich skurrile bis rührende Modelle an für das, was man nicht erklären kann.

Last not least ist, drittens, auch die Frage inter­es­sant, welchem Werk es schließ­lich gelingen wird, sich gegen die Konkur­renz als »Bester der Besten« unab­hängig von Zeit und Genre durch­setzen: Wird es mehrere Sieger geben, wie einst 2001, als die Zuschauer dem Anima­ti­ons­film Bsss von Felix Gönnert und dem Bezie­hungs­drama Die Wurst­ver­käu­ferin von Stefan Hille­brand und Oliver Paulus glei­cher­maßen gewogen waren, oder kommt es gar zu uner­bitt­li­chen Duellen? Wohl kaum. Wir sind ja nicht bei irgend­wel­chen »Jubel-Jubiläen« blutiger Hunger­spiele (die wären sowieso viel zu lang), sondern beim Bunten Hund – der ist geist­reich, herz­er­wär­mend und mit seinen 15 Jahren immer noch schön bissig.

15. Bunter Hund – Inter­na­tio­nales Kurz­film­fest – Das Jubiläums­pro­gramm.
07.-08. März 2014, Werk­statt­kino.
Eintritt 6 Euro.
Eine Veran­stal­tung der Filmstadt München e.V.
Mehr Infor­ma­tionen gibt es hier.

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