07.02.2014

Kinder machen Kino

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Preisverleiheung 2013: Es ist nie zu früh für gute Filme!

Beim 31. »flimmern & rauschen« zeigen Münchens junge Film­schaf­fende in 60 Produk­tionen ihr kreatives Potenzial

Von Natascha Gerold

Immer schön up to date bleiben. Das war schon dem Apho­ris­men­meister Georg Christoph Lich­ten­berg im 18. Jahr­hun­dert klar, der der Borniert­heit seiner Mitmen­schen ein »Bemühe Dich, nicht unter Deiner Zeit zu sein« entge­gen­schrieb. Up to date – das heißt nicht nur, über tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt Bescheid zu wissen, sondern auch das zu kennen, was jene umtreibt, die gerne gönner­haft »die Macher von morgen« genannt werden.

Denn Macher sind sie heute schon. Davon kann man sich beim 31. »flimmern & rauschen« einmal mehr überz­eugen: Am 12. und 13. Februar zeigt das Jugend­film­fes­tival in der Münchner Muff­at­halle 60 ausge­wählte Filme, gemacht von Kindern, Jugend­li­chen und jungen Erwach­senen unter 27 Jahren. Für die Nach­wuchs­re­gis­seure bietet es Vorteile auf verschie­denen Ebenen: Wer mitmacht kann nicht nur Preise gewinnen, sondern, oft zum ersten Mal, das Gefühl erleben, das eigene Werk einem großen Publikum zu präsen­tieren. Außerdem schafft das Festival ausrei­chend Raum und Möglich­keiten, Kontakte mit anderen Filme­ma­che­rinnen und Filme­ma­chern zu knüpfen und sich zu vernetzen. Das wird vor allem wichtig, wenn man sich für die kommende Idee oder das nächste Projekt Mitstreiter suchen oder von gegen­sei­tigen Erfah­rungen profi­tieren will.

Zusam­men­ge­stellt wurde das Programm, das in insgesamt acht Schienen während der beiden Tage gezeigt wird, vom Medi­en­z­en­trum München des JFF, das das Filmfest in Zusam­men­ar­beit mit Stadt­ju­gendamt München, dem Kultur­re­ferat und der Filmstadt München orga­ni­siert und durch­führt. Die jüngsten Teil­nehmer sind gerade mal drei Jahre alt und gehen in den Evan­ge­li­schen Kinder­garten Neuhausen (Leider ist das »Schul­klas­sen­pro­gramm Grund­schule« am Mi., in dem auch die Arbeiten dieser Film­gruppen zu sehen sind, bereits ausver­kauft.). Nicht wenige der ältesten Filme­ma­cher stecken gerade mitten in ihrer Profes­sio­na­li­sie­rung, sind Schüler oder Studenten aus Münchner Medien- und Film­hoch­schulen.

Wer von den Film­gruppen zu »flimmern & rauschen« einge­laden wurde, hat ohnehin schon gewonnen. Wessen Arbeit darüber hinaus noch prämiert wird, darüber entscheidet heuer die sieben­köp­fige Jury, der Andrea Engl (Kultur­re­ferat der LH München), Tanja Barem­bruch (matz, die Jugend­fern­seh­re­dak­tion des Medi­en­z­en­trums München), Tobias Rehm (Gewinner »flimmern&rauschen« 2013), Andrea Rudert (Filmfest München), Jutta Schi­ma­cher Baye­ri­sche Landes­z­en­trale für neue Medien), Klaus Schwarzer (Stadt­ju­gendamt/ pomki.de) sowie Jury­leiter Thomas Kupser (JUFINALE baye­ri­sches Jugend­film­fes­tival/ Medi­en­z­en­trum München des JFF) angehören. Aber auch das Publikum entscheidet mit einem eigenen Preis mit.

Der Blick über die eigenen Grenzen – er ist nicht nur bei der dies­jäh­rigen Berlinale, unter anderem in der Sektion »Perspek­tive Deutsches Kino« virulent, sondern auch beim Münchner Jugend­film­fes­tival. Dies zeigt der Eröff­nungs­film Exploring Korea, in dem die Film­gruppe vom Jugend­treff am Bieder­stein von ihren Erfah­rungen im Rahmen der „Jugend­bil­dungs­reise“ zu ihren K-Pop Idolen in Südkorea erzählt, aber auch die anderen Arbeiten, die in dieser Programm­schiene zu sehen sind. (Mi., ab 15 Uhr). Ein beson­derer Reiz scheint für die jungen Filme­ma­cher von Istanbul auszu­gehen: Die Metropole am Bosporus steht im Zentrum von vier Beiträgen: Üç (Ütsch), Building Bridges – Munich's Sound of Istanbul (beide Mi., im Programm 1, ab 15 Uhr), Ötzkan Kuhl – Eine absurde Suche (Mi., im Programm 2, ab 18 Uhr), Istancool (Do., im Programm 7 ab 15 Uhr) beschäf­tigen sich nicht nur mit dem Mythos und Charme dieser Stadt, dem die ganze Welt erliegt, sondern reflek­tieren auch den direkten Bezug zur eigenen Heimat München, und zwar jeder auf seine ganz eigene Weise. Andere Utopien, gelebt oder erdacht und gefürchtet, haben am späten Mitt­woch­abend ihren Platz: Nimbin – Das soziale Expe­ri­ment ist ein Doku­men­tar­film über die östlichste Stadt Austra­liens und ihre unge­wöhn­liche Sub- und Canna­bis­kultur, 23V eine vergnüg­lich-böse, animierte Zukunfts­vi­sion, und der Kurzfilm Materica zeigt ein beängs­ti­gendes Szenario einer femi­nis­ti­schen Diktatur. (Mi., ab 22 Uhr).

Man muss nicht jedoch nicht auf den Abend warten, bis Realität und Fiktion inein­ander übergehen: Das Programm 6 für Schul­klassen zeigt hierfür viele eindrucks­volle Beispiele (Do., ab 10.30 Uhr; es gibt noch Grup­pen­karten zu ermäßigten Preisen, Anmeldung im Medi­en­z­en­trum unter Telefon 089/1266530 erfor­der­lich). Bis zur Preis­ver­lei­hung um 20 Uhr kommt keine Lange­weile auf – dafür sorgt ein abwechs­lungs­rei­cher Film­nach­mittag, unter anderem mit der Bild-Ton-Collage What Happens When The Heart Just Stops oder dem Spielfilm DIE PINAKOTHEK DER MODERNE, in dem ein Mann seine Frau versetzt und auf der Suche nach ihr Gruse­liges erleben muss. (Do., ab 15 Uhr). Im letzten Teil des Festi­val­pro­gramms gibt es noch jede Menge Gefühls­chaos, beispiels­weise in Kunter­grau­dun­kel­bunt, der erst vor Kurzem mit dem Deutschen Nach­wuchs­film­preis „Up and Coming“ in Hannover ausgez­eichnet wurde, oder in der rasanten Action-Komödie Tai Cheat. (Do., ab 18 Uhr).

Ab 21 Uhr sind die Filme aller Preis­träger noch einmal zu sehen – von einem sicher­lich begeis­terten Publikum.

Flimmern & Rauschen. 312.02. und 13.02.2013 in der Muff­at­halle München, Zellstr. 4. Festi­val­pass 7,50 Euro, Ein- und Auslass non-stop. Mehr Infor­ma­tionen und das voll­s­tän­dige Programm gibt es hier.