12.12.2013

Von Borgern, Büchern, die lebendig werden, Gespenstern und dem Weihnachtsmann

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Zum Eintauchen schön: Arrietty – Die wundersame Welt der Borger

Das Münchner Kinder­kino zeigt verzau­bernde Filme zur Einstim­mung in die »staade Zeit«, in der es bekannt­lich von Feen, Wichteln und anderen Wesen nur so wimmelt

Von Dunja Bialas

Kinder gruseln sich gerne, haben eine unbändige Lust an dem Rätsel­haften, an Geistern und Gespens­tern. Sich unsichtbar machen. Durch Schlüs­sel­löcher schlüpfen. Unbemerkt in die Welt der Erwach­senen eintau­chen und alles auf den Kopf stellen. Das wär ein Spaß!

Die Winter­film­tage, die alljähr­lich in der Vorweih­nachts­zeit Filme für Kinder zeigen, haben ein wunderbar gruselig, verrät­selnd und verzau­berndes Programm aus acht Filmen zusam­men­ge­stellt, die ein Muss für alle kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Menschen ist. Und das schönste dabei ist: Auch Erwach­sene haben bei den ausge­wählten Filmen ihren Spaß!

Mit dabei sind Spuk­ge­stalten, die man hier­zu­lande schon lange kennt, wie das kleine Gespenst, das Otfried Preussler sich ausge­dacht hat, und das schon in unserer eigenen Kindheit mit der Stimme von Hans Clarin auf abge­nu­delten Hörspiel­kas­setten heulte und seufzte. Aktuell läuft eine Real­film­fas­sung Das kleine Gespenst im Kino, mit den sich­all­mäh­lich abnutz­enden »bei den Groß­el­tern auf dem Dachboden«-Setting: alles schön altmo­disch, sepia­farben, die Kinder sind frech, die Erwach­senen blöd, und alles bleibt schön harmlos. Die Winter­film­tage hingegen, die von den erfah­renen Kinder­film­ex­per­tinnen Katrin Hoffmann (Kinder­film­fest) und Christel Strobel (Kinder­kino im Olym­pia­dorf) veran­staltet werden, haben in der großen Kinder­film­truhe gekramt und echte Schätze heraus­ge­zogen. So ist das kleine Gespenst, dass sie zeigen, ein herrlich anar­chi­scher Plum­paquatsch, ohne pädago­gi­schem Zeige­finger und Parabel auf die Erwach­se­nen­welt – einfach nur ein Riesen­spaß, für Kinder ab 6 Jahren. (Das kleine Gespenst, Mo., 16.12., 15 Uhr)

Für die größeren Kinder gibt es echten Grusel zu sehen, als geniale Stop-Motion-Puppen-Animation. Coraline von Henry Selick (Nightmare Before Christmas) ist die durch und durch beängs­ti­gende Geschichte eines Mädchens, die durch eine kleine Tür in dem Haus, in dem sie gerade einge­zogen ist, in eine Paral­lel­welt gerät. Ihre Eltern, die sonst immer keine Zeit für sie haben (ja, man fühlt sich ertappt), sind hier echte Bilder­bu­ch­el­tern. Es gibt immer was Gutes zu essen, viele Geschenke und überhaupt unge­bremste Aufmerk­sam­keit. Nur leider – die Eltern haben Knöpfe statt Augen! Coraline ist eine wunder­bare Hinfüh­rung in das Zombie-Genre, und die Alter­s­emp­feh­lung, die die Winter­film­tage ausspre­chen, ist genau richtig: Ab 10 Jahren hat man den nötigen Durch­blick, um sich mit Freuden auf die Achter­bahn­fahrt von Verzau­be­rung, Ängsten, Mitfie­bern und Erleich­te­rung einzu­lassen und auch den tieferen Sinn dieses Films zu begreifen. Hände­drü­cken erlaubt! (Mi., 18.12., 15 Uhr)

Oder Arrietty! Am liebsten würde man selbst in die »wunder­same Welt der Borger« eintau­chen, so schön ist sie gezeichnet. Das japa­ni­sche Anime beruht auf einem briti­schen Kinder­buch­klas­siker aus den 50er Jahren, und erzählt von der Phantasie und Not kleiner, etwa 10 cm großer Wesen, die bei den Menschen leben und sich von ihnen Dinge »borgen«, daher ihr Name. Niemals aber würden sie von ihnen stehlen! Nur können das die Menschen bestimmt nicht verstehen, deshalb müssen sie sich auch vor ihnen verste­cken. Arrietty ist eine mutige kleine Borgerin, die genau versteht, dass sie mit Sho, dem Jungen aus dem Haus, einen Verbün­deten gefunden hat. Ein Film über Mut und Zusam­men­halt, mit einer großar­tigen Liebe zum Detail. (Do., 19.12., 15 Uhr, ab 6 Jahren)

Bücher werden lebendig. Cornelia Funke hat mit ihrer »Tinten­herz«-Trilogie, inspi­riert von Michael Endes »Unend­li­cher Geschichte«, den kind­li­chen Nerv getroffen, am liebsten ganz in Geschichten einzu­tau­chen, und wenn das schon nicht möglich ist, dann wenigs­tens die Phan­ta­sie­gestalten in die eigenen Welt zu holen. Leon passiert noch einmal etwas anderes. Er geht zwar schon zur Schule, kann aber noch nicht lesen. Als seine Eltern alte Kinder­bücher verkaufen wollen, werden die kleinen Heldinnen und Helden der Geschichten lebendig. Leon muss ihnen helfen, damit sie bleiben können! (Leon und die magischen Worte, Fr., 20.12., 15 Uhr, ab 6 Jahren)

Cornelia Funke ist die deutsche J.K. Rowling, wenn auch nicht ganz so reich. Sie hat Bücher in Serie geschrieben (man denke an die »Wilden Hühner«-Bände), die sehr unter­schied­lich sind und manchmal auch nervig. Anders ist das mit »Herr der Diebe«, das gerne als Schul­lek­türe für die 6. Klasse einge­setzt wird. Prosper und Bo schließen sich in dem verwun­schenen Vendig einer Bande von Waisen­kinder an und entdecken ein magisches Karrus­sell, das einen älter oder jünger werden lassen kann. Übrigens ein Buch, das meine Tochter frei­willig gelesen hat, als die Zeit für die Schul­lek­türe am Ende des Jahres nicht mehr ausreichte. Dies für alle als Tipp, die bei der einma­ligen Vorstel­lung des Films am Vormittag leider nicht können – weil sie in die Schule müssen. (Fr., 20.12., 9 Uhr)

»Winter­film­tage – Phan­tas­ti­sche Welten«, 16.12.-21.12., Vortrags­saal der Biblio­thek im Gasteig. Eintritt: 3 Euro für Kinder, Erwach­sene zahlen einen Euro mehr.
Hier gibt es ausführ­liche Infor­ma­tionen zu allen Filmen.
Eine Veran­stal­tung der Filmstadt München.