29.11.2012

Pizza alla Camorra

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Verspricht großen Spaß:
Into Paradiso

Circolo Cento Fiori und die Filmstadt München laden dazu ein, Neapel zu entdecken

Von Dunja Bialas

Neapel. Stadt der Sonne und des Vulkans, Stadt der regio­nalen Eigen­heiten und der welt­berühmten Kultur. Vermut­lich von den alten Griechen gegründet (»nea polis«), blickt Neapel auf über 2500 Jahre Geschichte zurück und hat als Erfin­derin der Pizza zur Lösung der immer­glei­chen Frage beige­tragen, die da lautet: Was wollen wir heute essen? Im 2. Weltkrieg befreiten sich die Neapo­li­taner aus eigener Kraft von der deutschen Besetzung, noch bevor die GIs sich in der Stadt nieder­ließen. Diese wiederum sollen der Nährboden gewesen sein, auf dem die Schat­ten­wirt­schaft gedieh, eine Voraus­set­zung für das Wieder­er­starken der Camorra nach dem Krieg. Sogar ins Reich der Sprich­wörter hat es die Stadt geschafft: »Neapo­li­ta­ni­sche Zustände« sind, wenn es drunter und drüber geht.

Der in München ansässige Circolo Cento Fiori widmet sich jetzt eine Woche lang der Hafen­stadt im Film. Erinnert wird daran, dass die viel­leicht italie­nischste aller Städte eine große Faszi­na­tion auf das Kino ausübte. Die Stadt ist verbunden mit dem natio­nalen Denkmal Sophia Loren und mit dem Namen von Vittoria de Sica, dem großen Neorea­listen, der hier Das Gold von Neapel schuf.

Gezeigt werden im Film­mu­seum München Filme, die einen viel­fäl­tigen Blick auf die Stadt werfen. Der Auftakt fällt ganz und gar doku­men­ta­risch aus, sozusagen als »landes­kund­liche« Einfüh­rung in die Eigen­schaften der Stadt. In Napoli Piazza Municipio wird eine Kamera-Reise vom gleich­na­migen Platz zum Hafen unter­nommen, die bedeut­same histo­ri­sche Gebäude streift. Die lange kultu­relle Geschichte der Stadt wird von den vielen kleinen Geschichten der Einwohner gekreuzt. Passione (übersetzt heißt das »Leiden­schaft« und »Leiden«) präsen­tiert im Anschluss die Stadt als voller »Gefahren, Schönheit und Musik«, mit fran­zö­si­schen und arabi­schen Einflüssen. (Do., 29.11., 19:00 Uhr)

Zwei Filme sehen in den Brenn­punkt Camorra. Into Paradiso erzählt leicht­füßig von einer Männ­er­freund­schaft, die sich auf der Flucht vor der Camorra zusam­men­ge­schweißt hat (Fr., 30.11., 18:30 Uhr); La sfida (dt. Die Heraus­for­de­rung) zeigt die Anzie­hungs­kraft des wirt­schaft­li­chen Schatten-Netzwerks, wenn es mit den eigenen Plänen nicht so hinhaut. 1958 vom großen Neapo­li­taner Francesco Rosi gedreht, ist er noch ganz nahe an der Zeit dran, als die Camorra gerade wieder aufblühte. (Sa., 1.12., 18:30 Uhr)

Neapo­li­ta­ni­schen Dialekt kann man – wenn man's kann – in Così parlò Bella­vista genießen. In dem 1984 entstan­denen Film von Luciano De Crescenzo, dem einzigen Film, den der neapo­li­ta­ni­sche Best­seller-Autor reali­sierte, geht es um einen Gymna­si­al­lehrer, der sich als Philosoph in der Stadt herum­treibt. (Mi., 5.12., 21:00 Uhr)

Jüngere Produk­tionen zeigen die Stadt in Einz­el­schick­salen, wenn in Gorbaciòf der Gefäng­nis­wärter mit dem Pere­s­troika-Leber­fleck die Asiatin Lila vor der Prosti­tu­tion bewahren möchte (So., 2.12., 18:30 Uhr) oder wenn in La Kryp­to­nite nella borsa für einen neun­jäh­rigen Junge der Comic-Held Superman zum einzigen Halt in einer zerbre­chenden Familie wird: Kryptonit ist das gefähr­liche Material, das Superman schwächen kann, und dennoch trägt er es als vererbte Last des Heimat­pla­neten Krypton immer mit sich (Di., 4.12., 21:00 Uhr).

Mehr Infor­ma­tionen über die Filmstadt München.
»Napoli – Neapel und er Film: Im Schatten des Vesuvs« findet statt vom 29.11.-05.12. im Film­mu­seum München.

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